Berlin : Keine x-beliebige Party

Tom Tykwer & Co. feierten den zehnten Geburtstag ihrer Filmfirma

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Seinen eigenen zehnten Geburtstag hat der aus München stammende Produzent Stefan Arndt in schlimmer Erinnerung. Bei einem Ausflug nach Herrenchiemsee nervte sein kleiner Bruder, und die Mutter hielt kulturgeschichtliche Vorträge über König Ludwig II. Wesentlich entspannter geht es hingegen beim zehnten Geburtstag der Produktionsfirma XFilme am Freitagabend im Wirtshaus Schildhorn an der Havel zu. Arndt feiert mit seinen Gründer-Kollegen, den Filmemachern Wolfgang Becker , Dani Levy und Tom Tykwer , mit den vier Jahre später hinzugekommenen Produzentinnen Maria Köpf und Manuela Stehr sowie dem X-Verleih-Chef Anatol Nitschke – und die X-Filme-Torte wird selbstredend für das gesamte Team angeschnitten.

Vorher hat man sich zum Gruppenfoto versammelt, bereitwillig hält Stefan Arndt einen extrakleinen kerzenbestückten Kindergeburtstagskuchen ins Bild. „Good bye, Lenin!“-Regisseur Wolfgang Becker, soeben von Dreharbeiten in Brasilien zurückgekehrt, wirft sich Jetlag-geplagt auf den Boden vor seine Mitarbeiter. Wie seine Gründerkollegen trägt er ein T-Shirt, das die Hauptursache für gelegentliche X-Filmer-Kräche verrät: Der Memo-Verteiler steht da auf Brusthöhe geschrieben, die Kürzel der sieben Geschäftsführer – wehe, es sind mal nicht alle über alles informiert.

Schauspieler Fabian Busch spielt derweil Tischtennis neben dem Wirtshaus, auch der bereitgestellte Tischkicker erfreut sich wachsenden Zuspruchs. Zu den rund 300 Gästen zählen Fritzi Haberlandt und Barbara Rudnik , Vadim Glowna und August Diehl sowie „Lichter“-Regisseur Hans Christian Schmid . Auch – Pleite hin oder her – Senator-Produzent Hanno Huth schaut vorbei, und „film 20“-Chefin Georgia Tornow schenkt zum Fest einen Hexenbesen.

Die drei Regisseure halten derweil firmengeschichtlichen Smalltalk. „Dass es unsere Filmfamilie jetzt zehn Jahre gibt, ist schon ein Spektakel an sich“, staunt Tykwer. Die Künstler hatten sich 1994 zur Produktionsfirma zusammengetan, um künstlerisch anspruchsvolle Publikumsfilme zu realisieren. „Von unseren gut 20 Filmen war keiner dabei, den wir nur des Kommerz’ wegen gemacht haben“, betont Tykwer. Dessen international erfolgreiches Großstadtmärchen „Lola rennt“ hat wie „Good bye, Lenin!" X-Filme weltweit bekannt gemacht.

„Als Standort ist Berlin für unser Projekt ohne Alternative“, sagt Wolfgang Becker. Und was die gelegentlichen Familienkräche betrifft, sagt der große Mann aus dem Sauerland: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“ Ko-Geschäftsführerin Stehr verrät, dass „mindestens einmal im Monat ein Treffen für alle“ stattfindet: „Familienversammlung!“ Mittlerweile beschäftigt X-Filme 40 Mitarbeiter.

Das Büfett? Grillfleisch, Folienkartoffeln, Krabbenspieße. Und das Wetter? „So sind wir X-ler“, hatte Dani Levy frohlockt: „Der Sommer ist total verregnet, nur wenn wir feiern, ist der Himmel klar.“ Von wegen: Später regnet es doch noch, aber da wird längst getanzt. „Eine wunderbar gelassene Party“, schwärmt Anatol Nitschke. Und Regisseur Achim von Borries hat zum Geburtstag seinen vier Monate alten Sohn Laszlo mitgebracht. „Der wird mal Produzent“, meint der Vater, „potenzieller Nachfolger von Stefan Arndt“. chp / svs

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