Berlin : Keine Zeit für eine Laudatio

Die „Reminders Day – Aidsgala“ muss fast ohne Polit-Prominenz auskommen

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Die Motive der neuen Plakate sollen aufrütteln: Mann und Frau haben Sex im Park, auf dem Schreibtisch, im Fahrstuhl, zwei Männer lieben sich in der Badewanne. Allen Körpern fehlen die Köpfe – die haben sie wohl im Liebestaumel sprichwörtlich verloren. Genau das aber könnten sich die Menschen im Zeitalter von Aids nicht leisten, sagt KaiUwe Merkenich, Geschäftsführer der Berliner Aids-Hilfe.

Deshalb lädt die Aids-Hilfe am Sonnabend zusammen mit der Aktion „Vergessen ist ansteckend“ und anderen zur fünften „Reminders Day – Aidsgala“ im Roten Rathaus. Grund genug gebe es, schließlich nehme die Zahl der Neuansteckungen mit dem HI-Virus in Deutschland seit vier Jahren wieder zu, und statistisch gesehen würden täglich zwei Deutsche an Aids sterben. „Aber gerade die Jüngeren interessieren sich überhaupt nicht für das Problem“, sagt Merkenich.

Desinteresse wirft er auch der Berliner Polit-Prominenz vor: Abgesehen vom Regierenden Bürgermeister – der die Schirmherrschaft der Gala übernimmt – habe sich kein Spitzenpolitiker als Festredner gefunden. Angefragt war unter anderem Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. „Aids eignet sich offenbar nicht als Wahlkampfthema“, ärgert sich Keikawus Arastéh, Leiter der Infektiologie am Auguste-Viktoria-Krankenhaus und Erfinder des Reminders Day. Ebenso unzufrieden ist Arastéh mit dem Engagement der Bundesregierung in Regionen der Welt, in denen sich Aids „galoppierend ausbreitet“ – zum Beispiel in Staaten Osteuropas. Da überweise Deutschland zwar Geld, habe jedoch „keinen Plan“ und „keine koordinierten Maßnahmen“.

Neben viel Kritik gibt es von den Veranstaltern aber auch Lob – nämlich für Menschen, die sich besonders im Kampf gegen HIV und Aids hervortun. Die werden jedes Jahr im Rahmen der Gala mit dem „ReD-Award“ geehrt, diesmal sind es die Berliner Popmusiker von Rosenstolz und die thailändische Pharmazeutin Krisana Kraisintu. Letztere hat in den 90er Jahren ein preiswertes Medikament zur Behandlung von Aids entwickelt und hilft nun, im afrikanischen Kongo Fabriken für Medikamente aufzubauen. Für die Preisverleihung kommt sie nach Berlin geflogen – auch wenn kein Minister eine Laudatio auf sie hält. sle

Die Gala beginnt am Sonnabend um 20 Uhr im Roten Rathaus. Karten gibt es für 50 Euro unter www.remindersday.com. Die Einnahmen gehen an Hilfsprojekte.

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