Keine Zusammenhang mit Charlyn : Rudower Bombenleger Peter John wird nicht verhört

Die Sprengsätze aus leer stehender Kita in Prenzlauer Berg stammen offenbar nicht von Peter John. Der Bombenleger von Rudow hatte mit einem selbstgebastelten Sprengsatz beinahe siene Nichte Charlyn getötet.

Tanja Buntrock

Die 15 Sprengsätze, die am Montag in einer leer stehenden Kindertagesstätte in Prenzlauer Berg gefunden worden sind, stammen nach ersten Erkenntnissen der Polizei nicht von Bombenleger Peter John. "Das Material in den gefundenen Dosen weist nicht darauf hin, dass ein Zusammenhang mit den von Peter John gebastelten Bomben besteht", sagte ein Polizeisprecher.

Die Fundstücke - Sprengstoff in Blechdosen mit Plastik umwickelt, mit einem Zünder und nach außen hängenden Kabeln - seien "sprengfähig" gewesen. "Es war zwar kein hoch explosiver Sprengstoff darin enthalten, aber es hätte etwas passieren können", sagte ein Beamter. Die 15 Sprengsätze, bei denen es sich ausdrücklich nicht um "Rohrbomben" handelt, wie es bei der Polizei hieß, würden derzeit von Kriminaltechnikern auf dem Sprengplatz Grunewald analysiert.

Wie berichtet, hatten Bauarbeiter gegen 11.15 Uhr bei Sanierungsarbeiten die Sprengsätze im Erdgeschoss des Mietshauses in der Seelower Straße entdeckt. Während des Polizeieinsatzes mussten 20 Mieter aus Sicherheitsgründen ihre Wohnungen verlassen. Obwohl es sich auch bei diesen 15 Fundstücken um "selbst gebaute Feuerwerkskörper" handeln soll und diese den selbst gebauten Bomben von Peter John ähnelten, seien diese von der "Art und Weise ganz anders", sagte ein Polizeisprecher. Daher ergebe sich zunächst auch kein Tatverdacht gegen ihn. "Deshalb wird er auch nicht in der Untersuchungshaft befragt", hieß es.

Peter John war am 6. Dezember 2008 am Ostbahnhof nach einer mehr als zwei Wochen dauernden Flucht verhaftet worden. Ende November hatte er eine Bombe im Briefkasten seiner Familie in Rudow deponiert - durch die Detonation war seine zwölfjährige Nichte Charlyn fast getötet worden. Mit einer weiteren Bombe wollte John seinen Schwager umbringen - der auf dem Autodach deponierte Sprengsatz detonierte jedoch nicht. Johns Briefkastenbombe bestand aus einer Konservendose, die mit 70 Gramm eines Sprengmittels gefüllt war. Für die andere Bombe hatte der 32-Jährige eine Bohnendose mit dem Inhalt von explosiven Polen-Böllern gefüllt.

Während Johns Flucht hatte die Polizei seinen Wagen in der Revaler Straße in Friedrichshain sichergestellt - circa acht Kilometer entfernt von dem Fundort der Sprengsätze in Prenzlauer Berg. Zudem hatten die Fahnder eine weitere Selbstbaubombe Johns in einem Altpapiercontainer in der Heinrich-Heine-Straße in Mitte entdeckt. Eine Werkstatt, in der John seine Bomben zusammenbaute, haben die Ermittler bislang allerdings noch nicht gefunden.

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