Kennedy soll Berliner werden : Späte Ehrung spart BVG-Ticket

Besondere Verdienste qualifizieren Menschen für die Ehrenbürgerschaft - auch die bereits Verstorbenen. Vor allem Zweitere haben ihre Vorteile. Elisabeth Binder sieht noch viel Bedarf bei kostengünstigen Ehrenbürgern.

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Der amerikanische Präsident John F. Kennedy während seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin am 26. Juni 1963.
Der amerikanische Präsident John F. Kennedy während seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin am 26. Juni 1963.Foto: dpa

Es liegt in der Natur des Konservativen, dass er Bewährtes bewahren will und um Himmels willen nichts überstürzt. Das Rollenfach Springinsfeld können die Spontis übernehmen, Piraten vielleicht oder Grüne. Der grundsolide Konservative erwägt erst hin und dann her, bevor er zu Wort und Tat schreitet. Deshalb überrascht es überhaupt nicht, dass ein junger CDU-Abgeordneter im Jahr 51 nach der berühmten Kennedy-Rede und seiner Ermordung den legendären US-Präsidenten nun als Ehrenbürger der Stadt vorschlägt. Im vergangenen Jahr ist der schließlich so ausgiebig gefeiert worden, dass man schon ins Grübeln geraten konnte, was da noch draufzusetzen wäre.

Keine Sonderkonditionen für Verstorbene

Ein Schelm, wer hier die sparsame Ehrung wittert, die es der Stadt ermöglicht, sich ohne Gratis-BVG-Ticket und Ehrengrab mit einem berühmten Namen zu schmücken. Auf die bislang nur als große Ausnahme verliehene posthume Würde hätte man zwar eventuell auch früher kommen können, aber natürlich auch erst viel später. Kann es sein, dass die CDU hier auf eine echte Goldmine gestoßen ist, wie man sich ins Gespräch bringt, wenn sonst nix los ist? Friedrich der Große? Goethe? Humboldt? Sie alle sind schon lange nicht mehr in der Lage, S- und U-Bahnen noch voller zu machen. Nichts einfacher, als kostengünstige neue Ehrenbürger zu rekrutieren. Vielleicht sollten die jungen CDUler einfach mal ausschwärmen zu den Denkmälern der Stadt.

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