Berlin : Kennzeichen CD - Die Welt in Berlin (Teil 12): Der Königstreue

Christine-Felice Röhrs

Dass Khek Lerang seinen König liebt, begreift man schon beim Fototermin. Er besteht darauf, sich unter dessen Bild aufzubauen. Dort, wo König Norodom Sihanouk auf ihn hinunterlächeln kann. Auf seinen Botschafter in Berlin-Pankow. Hier, im unauffälligen Einfamilienhaus an der Benjamin-Vogelsdorff-Straße, arbeiteten die kambodschanischen Diplomaten schon zu DDR-Zeiten. Schon damals war Norodom Sihanouk König, wenn auch im Exil. Schon damals war Khek Lerang Monarchist.

"Ohne den König gäbe es keine Stabilität, keine Sicherheit und keine Einigkeit in der kambodschanischen Bevölkerung", lässt Lerang ins Deutsche übersetzen, als er höflich zur kleinen Korbsesselgruppe geleitet. Genauso formvollendet dann: "Es ist mir eine Ehre und Freude, Ihre Fragen zu beantworten." Lerang wahrt gern die Form - die, die asiatisch-umständliche Höflichkeit gebietet und die der diplomatischen Etikette.

Dabei ist der 61-Jährige gar kein echter, zumindest kein Karriere-Diplomat. Eigentlich ist er Betriebswirt - per Stipendium in Frankreich studiert - und hat später im Wirtschaftsministerium in Phnom Penh gearbeitet. Zwischen dieser Zeit und seinem Botschafterposten - zuerst in Laos, dann in Burma und seit knapp zwei Jahren in Deutschland - liegt eine turbulente Zeit.

Lerangs Familie war schon seit Generationen königstreu. Der Vater: ein kleiner Beamter im Süden Kambodschas, in der Provinz Kampot. Neun Kinder hatte er und ein Holzhaus auf Pfählen. Hier wuchs Khek Lerang auf, spielte im kühlen Raum, in dem sich die Familie im Sommer aufhielt. Eine gute Kindheit. Zu dieser Zeit war der Bürgerkrieg nicht abzusehen. 1970 wurde alles anders: General Lon Nol stürzte den König.

Als Monarchist, dessen Frau, Norodam Wirawinn, selbst auch königliches Blut in den Adern hat, sah Khek Lerang bösen Zeiten entgegen. Er verließ das Land, ging nach Paris und fing wieder ganz vorn vorne an: als Hotelier. Aus der Ferne musste Lerang zusehen, wie 1975 die Roten Khmer unter dem Steinzeitkommunisten Pol Pot mit der brutalen, reaktionären Umformung der Gesellschaft begannen. Erst der Einmarsch der Vietnamesen 1979 stoppte Pot, damit begann allerdings der Guerillakrieg.

Es war bitter, zusehen zu müssen. 1982 kam dann die Chance, selber mitzumischen, Lerang ergriff sie - und schloss sich dem Exilkabinett von Norodom Sihanouk an. Jeden Tag mehr, sozusagen aus der Praxis für die Praxis, erlernte er das Diplomatenhandwerk. In einem Exilkabinett ist jeder für alles zuständig, "für Termine, für Korrespondenzen, für Reisen", erinnert sich Lerang. Überall erbat er zusammen mit dem König Unterstützung gegen das kommunistische Regime im Heimatland. Khek Lerang war in China und Thailand, bei der UNO und bei Hans-Dietrich Genscher. "Erst als seine Majestät, der König..." - Atempause und Nicken wie eine Verbeugung im Geiste - "...nach dem Pariser Abkommen 1991 zurückkam nach Kamobodscha, ging auch ich wieder nach Hause."

Leicht könnte man auf den Gedanken kommen, Khek Lerang sei in Deutschland einsam. Die Botschaft ist klein, alles in allem neun Mitarbeiter. In ganz Berlin leben nur etwa 100 weitere Kambodschaner. Khek Lerang kennt sie fast alle. Lerang ist Buddhist. Er glaubt daran, dass jeder Mensch mit guten Taten ein gutes Karma ansammeln kann. Seine guten Taten bestehen darin, alle Landsleute in Berlin alljährlich zum Neujahrsfest einzuladen und ihnen in persönlichen (Hochzeit, Nachrichten von zu Hause) und juristischen Fragen (Aufenthaltsgenehmigung) zu helfen. Um sich zu entspannen, spaziert der Botschafter manchmal zum Park um die Ecke. Dabei fällt ihm immer auf, wie schnell die Deutschen gehen. "In Kambodscha ist alles ruhiger", meint er. "Ich kann ins Kloster gehen und dort leben, so oft ich will." Der Rest ist Arbeit - vor allem: Investoren gewinnen und Touristen von den Vorzügen des Landes überzeugen. Denn sowohl die Wirtschaft als auch der Tourismus stehen im Land, einem der ärmsten der Erde, noch ganz am Anfang. Bei solchen Gesprächen erlebt Lerang oft, dass man Kambodscha immer noch mit dem Schreckensregime Pol Pots assoziiert. "Ich wünsche mir, dass die Deutschen Kambodscha als Kulturnation ansehen. Wir haben hunderte Tempel, wir haben schöne Landschaften, Meer und Berge."

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