Berlin : Kennzeichen L

Vor 150 Jahren wurde in Berlin der Langenscheidt-Verlag gegründet

Andreas Conrad

Eine Sorge weniger, auch der jüngste Sohn versorgt – zufrieden notierte Theodor Fontane 1881 im Tagebuch, dass er seinen Friedrich als Lehrling „im Verlagsgeschäft von Prof. Langenscheidt“ untergebracht habe. Das war damals 25 Jahre alt, offenbar eine gute Adresse für eine fundierte Berufsausbildung, jedenfalls eröffnete der junge Fontane später in der Potsdamer Straße einen erfolgreichen Verlag.

Auch neuere prominente Namen können leicht mit dem Langenscheidt-Verlag, der heute sein 150-jähriges Bestehen feiert, in Verbindung gebracht werden. So zeigt ein Foto Papst Benedikt XVI. bei der Lektüre italienischer Zeitungen, neben sich ein „Taschenwörterbuch Italienisch“, und der US-Astronaut David Wolf 1989 hatte beim Aufenthalt in der Raumstation „Mir“ ein Russisch-Englisch-Wörterbuch dabei – mit dem berühmten blauen L auf gelbem Grund, das seit 1956 das Erscheinungsbild der Wörterbücher und damit des Verlags prägt.

Ende letzten Jahres wurde die in der Schöneberger Crellestraße ansässige Druckerei und Buchbinderei der Berliner Traditionsfirma geschlossen und auch dieser letzte Bereich nach München verlagert. Dort hatte sich Langenscheidt als Folge des Mauerbaus einen weniger gefährdeten Firmensitz gesucht und im Laufe der Jahrzehnte zur Zentrale ausgebaut. Gleichwohl beharrt man in dem Familienunternehmen weiter auf den Berliner Wurzeln, nennt Berlin weiter als zweiten Firmensitz und will sich auch von den alten Langenscheidt-Immobilien nicht trennen. Neben den Gebäuden in der Crellestraße, wo Langenscheidt seit 1905 ansässig ist, gibt es die Familienvilla in der Colomierstraße 1-2 in Wannsee, links neben dem Liebermann-Anwesen, denkmalgeschützt und soeben frisch restauriert. Gustav Langenscheidt, Sohn des Verlagsgründers Gustav, hatte das im Landhausstil gehaltene Gebäude von dem Architekten Bodo Ebhardt errichten lassen, der später die Hakeburg in Kleinmachnow entwarf.

Begraben wurde der 1895 gestorbene Firmengründer auf dem Schöneberger Matthäifriedhof, doch bald danach in das neue, im Neorenaissancestil errichtete Familienmausoleum auf dem Südwestfriedhof Stahnsdorf umgebettet. 1931, zum 75-jährigen Firmenjubiläum, wurden eine Straße und eine Brücke in Schöneberg nach dem Unternehmen benannt.

Mittlerweile ist Langenscheidt ein international weit verzweigtes Firmenkonglomerat, in dem die klassischen Fremdsprachen-Bücher nur noch einen Teil der Produktpalette darstellen. Geleitet wird das Unternehmen von Andreas Langenscheidt, einem direkten Nachfahren von Gustav Langenscheidt, der den Verlag eigentlich nur deswegen gegründet hatte, weil keiner sein Produkt drucken wollte. Das war ein Sprachlehrbuch für Französisch, das Gustav Langenscheidt mit seinem Französischlehrer Charles Toussaint entwickelt hatte. Auch in der Nicolaischen Verlagsbuchhandlung sprach er vor, deren Verleger das Manuskript nur mit den Worten „Das ist meine Antwort!“ zurückgab. Nachträglich gesehen wird Gustav Langenscheidt die Abweisung als großes Glück angesehen haben.

Die Firmengeschichte gibt es auch als Buch: 150 Jahre Langenscheidt. 1856 – 2006. Eine Verlagsgeschichte von Maria Ebert. Langenscheidt, Berlin/München. 124 Seiten, 200 Abbildungen, 29,90 Euro

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