Berlin : Kernspaltung

Ulrich Zawatka-Gerlach

Vorwärts, und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht… In der Grüppchenbildung natürlich; es ist nur so, dass sich die Berliner Sozialdemokraten an diese schöne Charaktereigenschaft erst mühsam erinnern müssen. Früher gab es noch die rechten Kanalarbeiter und den Pfeifenklub, es gab die linke Keulenriege und den Donnerstagskreis. Aber dann wurde es langweilig, weil die SPD so viel mit Regieren zu tun hatte. Alle sollten auf einmal an einem Strang ziehen, und zwar nur an der einen Seite. Wie langweilig. Jeder, der muckte, kriegte eins aufs Maul. Da passten Wowereit und SPD-Chef Müller gut auf, aber so kann es nun wirklich nicht weitergehen – eine einzige rote Soße. Wie schön war es dagegen früher in den geräumigen Hinterzimmern der Sozis. Also, es ist an der Zeit, dass die Genossen Kungelbrüder und -schwestern mal wieder Eigenleben zeigen. Immerhin gibt es jetzt wieder den Aufbruch, die Mitte und den Branitzer Kreis – und nicht mehr nur die öde Berliner Linke. Es werden wieder viele Papiere geschrieben, und anschließend Gegenentwürfe dazu, und jeder zieht munter über den anderen her. Na siehste, geht doch! (Seite 12)

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