Berlin : Kesse Pfoten und Fellkostüme

Ob mit oder ohne Tiernummern: Zirkusse und Varietés haben zur Weihnachtszeit Hochsaison.

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Aufgepasst! Hundedompteur Wolfgang Lauenburger stürmt mit seiner kreuz und quer gemixten Künstlertruppe in die Manege des Zirkus Roncalli im Tempodrom. Sie springen in seine Arme, laufen auf Hinterbeinen Slalom oder zeigen schön nach Größe geordnet die klassische Polonaise. Foto: promo
Aufgepasst! Hundedompteur Wolfgang Lauenburger stürmt mit seiner kreuz und quer gemixten Künstlertruppe in die Manege des Zirkus...

Der Mann ist auf den Hund gekommen. Vierzig Beine ohne Leine folgen Wolfgang Lauenburger aufs Wort. Mit einer ganzen Meute kreuz und quer gemixter Viecher stürmt er vom kommenden Freitag an in die Manege des Roncalli-Weihnachtszirkus im Tempodrom und zeigt, dass Hunde weitaus mehr drauf haben als Stöckchenholen und all das, was sie vermutlich bald für den Berliner „Hundeführerschein“ üben müssen.

Maja, Hexe & Co. erobern ihr Publikum im Sprung, wenn sie über- und untereinander kugeln, auf den Hinterbeinen über Hürden hüpfen, sich aus drei Metern Höhe in seine Arme fallen lassen und schön nach Größe geordnet die klassische Polonaise vorführen.

Stress mit den Tierschützern bekommt Roncalli mit dieser Nummer ganz bestimmt nicht. Im Gegensatz zum Hick-Hack um die Seelöwen vor drei Jahren. Damals gab es Proteste vor dem Tempodrom – und die Roncalli-Leute reagierten in der folgenden Weihnachtssaison mit einer Überraschung: Sie steckten Artisten in Nilpferdkostüme. Die zwei anderen großen Weihnachtszirkusse, die nun gleichfalls wieder in Berlin gastieren, werben dagegen weiter mit ihren tierischen Attraktionen.

Im Zelt von „Menschen, Tiere, Sensationen“ am Hauptbahnhof reitet Dompteur Patrick Spindler mit Tigerin Radja auf einem Elefanten. „Für uns sind die Tiernummern ein Stück unseres Lebens. Sie gehören zur Zirkuskultur“, sagt Pressesprecher Ludwig Hofmann. Und im „Berliner Weihnachts-Circus“ am Olympiastadion knallen die Peitschen bei Raubtier- und Nashorn-Dressuren, fliegen die Späne bei einer Pferdeschau der Spanischen Hohen Schule, spritzt das Wasser, wenn Boris und Bonny ihre Kunststücke zeigen: zwei Seelöwen aus Patagonien. „Unseren Tieren geht es besser, als es die staatlichen Leitlinien für die Haltung von Zirkustieren fordern“, versichern die Dompteure.

Aber Zirkus macht auch ohne tierische Künstler Spaß. Lachen, Staunen, Schmunzeln – all das gibt’s alle Jahre wieder beispielsweise bei den Weihnachtsshows der zwei Berliner Kinder- und Jugendzirkusse „Cabuwazi“ und „Schatzinsel“. Cabuwazi lädt in seine fünf Zelte in Friedrichshain, Kreuzberg, Treptow , Altglienicke und Marzahn ein. Unter dem Motto „Manegenzauber im Advent“ werden an allen Standorten jeweils andere Programme geboten. In Treptow geht’s um „Alice im Zirkusland“, in Friedrichshain um „Weihnachten in der Südsee“. Im Zelt der Kreuzberger „Schatzinsel“ an der Oberbaumbrücke fliegen dagegen die Federn. Das Jugendensemble schlüpft bei seiner poetischen Artistik-Schau „Unter Engeln“ in die Rolle der Himmelswesen. Am Trapez und Tuch geht’s hoch her.

Wer klassische Zirkusshows mit Live-Orchester und Nummernprogrammen liebt, die an die Glanzzeiten der einstigen Zirkuskönige Renz oder Busch erinnern, der sollte sich das Kürzel „MTS“ vormerken. „Menschen, Tiere, Sensationen“ ist ein 70 Jahre altes Berliner Traditionsspektakel. Das Zelt steht am Hauptbahnhof, drinnen werden brennende Requisiten mit dem Fuß jongliert, dreht sich das US-Todesrad, wirbeln Luftakrobaten durch den Zirkushimmel, wagen Jockeyreiter Salti auf galoppierenden Pferden.

Eine ganz andere Regie kann man in diesem Jahr erstmals bei Roncalli erleben sowie beim Weihnachtszirkus am Olympiastadion und bei „Zimt und Zauber“ im Wintergarten-Varieté. Kunststücke und Tricks werden in Märchen und Geschichten eingebunden. „Wir haben diesmal einen roten Faden“, sagt Roncalli-Direktor Bernhard Paul. Das ist ein verträumtes Schauspiel über „Die Reise der Schneeflockenkönigin“. Auf ihren Wegen begegnet sie einer feengleichen Vertikaltuch-Artistin, Clown Rob mit einem Gesicht aus Gummi oder dem Jongleur „Baldrian“, der seine Bälle unglaublich langsam fliegen lässt. Außerdem erlebt sie Fußballartistik, Leiter-Balancen, einen Radler in der Zirkuskuppel – und Wolfgang Lauenburgers Hundetruppe.

Ein gewaltiges Wasserbecken mit 30 000 Litern ist hingegen der Blickfang im Zelt am Olympiastadion. Was lässt sich darin spielen? Am besten die Geschichte der Meerjungfrau Alicia. Clowns und Handstandequilibristen und ein Seelöwenpärchen helfen ihr, aus Neptuns Fängen zu entkommen. Im Wintergarten-Varieté macht sich unterdessen die kleine Dorothy in der „Zimt & Zauber“-Show auf den Weg zum Zauberer von Oz. Und 30 junge Nachwuchs-Artisten vom Circus Cabuwazi machen ihr Mut – mit Salti und Flickflacks, auf Einrädern, beim Kugellaufen. Auch Leo, der Löwe, steht ihr zur Seite. Aber nur im Fellkostüm. Vor dem Wintergarten wird zu Weihnachten kein Tierschützer aufmarschieren.

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