Berlin : Ketchup auf Leinwand

Imbissleute vom Brandenburger Tor präsentieren „Curry & Kunst“

Stefan Jacobs

Die Bilder und die Plastikblumen sind pünktlich eingetroffen, aber die Hauptsache fehlt noch: Frittenöl. Der Lieferant am Telefon erzählt etwas von Auto kaputt und Werkstatt – und muss sich von Thomas Heeder gerade fernmündlich zur Schnecke machen lassen. Denn der will mit seinem Partner Curt Bösenberg am Montagabend große Eröffnung feiern – mit Currywurst und Fritten.

„Curry & Kunst“ heißt die neue Erfindung der beiden Geschäftsleute, die als „Heeder u. Bösenberg GbR“ bereits die weltberühmte Imbissbude am Brandenburger Tor betreiben (die aus ästhetischen Gründen inzwischen in die Dorotheenstraße exilieren musste). Dafür haben „Curti“ und „Thommy“ – so reden sie sich gegenseitig an – bereits mehrfach das Prädikat „umtriebig“ verliehen bekommen. Jetzt, nachdem Strieder, Westerwelle und Eichel an der Wurstbude fotografiert worden sind und überhaupt alle ihren Senf dazugegeben haben, musste eine neue Idee her: Wurst mit Kunst. Dafür haben sie den Laden in der Rosenthaler Straße 50 gemietet, mit hohl klingendem Pflastersteinboden plus einer dekorativen Wäscheleine mit historisch wertvollem Mieder ausgestattet und Bilder an die Wände gehängt.

„Das ist eine Art Joint Venture“, sagt Curti. Alle sechs Wochen sollen die Ausstellungen wechseln; zur Eröffnung gibt’s jeweils eine Vernissage. So sollen Talente, denen etablierte Galerien verschlossen bleiben, eine Chance bekommen – und die Kundschaft mit Bock auf Wurst regelmäßig angelockt werden, damit der Laden läuft. Den Anfang macht Frank Krüger, auf dessen Visitenkarte „Pintor Artistico“ und als Domizil neben Berlin das mallorquinische Städtchen Cala Millor steht. In warmen Farben strahlen mediterrane Innenhöfe und Stillleben von seinen Bildern über den ovalen Stehtischen. Ein anderes Ensemble könnte „Frucht auf Leinwand“ heißen: Spezialitäten von Apfelsine bis Zitrone auf gelbem Grund, etwa 30 mal 30 Zentimeter groß, für je 120 Euro. Die größeren Gemälde sind für’s Fünf- bis Zehnfache zu haben. Über das weitere kulturelle Programm haben Curti und Thommy noch nicht entschieden; sie sind für alles offen.

Wer die Bilder für weniger Geld betrachten will, kann einfach eine Currywurst mit oder ohne Darm für 1,80 Euro essen kommen. Zum gleichen Preis gibt’s auch eine Tüte Pommes. Die Küche ist gleich am Eingang und sieht ein bisschen nach Bankschalter aus. Damit die Bilder nicht versiffen, wird nämlich hinter Glas gegrillt. Sofern das Frittenöl eingetroffen ist.

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