Berlin : Kette contra Krach

Die Flugroutengegner geben nicht auf: Heute bilden sie eine Menschenkette rund um den Müggelsee Die Band Silly unterstützt sie. Und Sängerin Lieselotte Rezniceks bringt ihren Anti-Wowereit-Song

Einig Füße, einig Hände. Am heutigen Sonntag um 15 Uhr versammeln sich die Flugroutengegner zu einer zehnminütigen Menschenkette rund um den Müggelsee. Foto: Davids
Einig Füße, einig Hände. Am heutigen Sonntag um 15 Uhr versammeln sich die Flugroutengegner zu einer zehnminütigen Menschenkette...Foto: DAVIDS

Die Fluglärmgegner am Müggelsee um Filmregisseur Leander Hausmann haben sich für den heutigen Sonntag etwas Gewaltiges vorgenommen: Um 15 Uhr wollen sie für zehn Minuten eine Menschenkette um den ganzen See herum bilden. So wollen sie gegen die geplanten Flugrouten und gegen den Flughafen Schönefeld als internationalem Drehkreuz protestieren sowie sich für ein Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und sechs Uhr einsetzen.

Die Ankündigung der rechtsradikalen NPD, auch an der Menschenkette teilnehmen zu wollen, sorgte bei den Veranstaltern für Entsetzen. „Ich finde es furchtbar, dass die sich damit schmücken und diese Aktion als Plattform nutzen wollen“, sagte eine Sprecherin vom Bündnis Südost gegen Fluglärm und kündigte ein Hausverbot für die Abschlussveranstaltung im Strandbad Müggelsee an. Dort gibt es nach von 15.10 Uhr bis 22 Uhr ein Programm mit Musik und Reden.

Am Montag dann will die Friedrichshagener Bürgerinitiative FBI bereits zum neunten Mal um 19 Uhr auf dem Marktplatz demonstrieren. Unterstützung bekommt sie von der Rockband Silly, die ebenfalls gegen den befürchteten Fluglärm auf die Bühne gehen will. „Das ist eine grundsätzliche Sauerei“, sagt Bassist Jäcki Reznicek, der ein Haus in Rahnsdorf hat. Schlagzeuger Ronny Dehn wohnt in Schöneiche. „Das ganze Bauvorhaben Schönefeld war eine Fehlplanung. Wenn wir das schon nicht mehr ändern können, dann wenigstens die Flugrouten“, sagt Reznicek. Die Flieger würden dann auch über das Silly-Studio in Münchehofe gehen. Bestimmte Aufnahmen könne man dann vergessen. Eigene Lieder spielen wollen Silly am Montag nicht. Zu aufwendig, sagt Reznicek, weil die Band am Sonntag in Magdeburg auftritt und dort für das Album „Alles rot“ mit Platin ausgezeichnet wird. Deswegen könnten die Rocker auch nicht bei der Menschenkette mitmachen.

Dafür wird Jäcki Rezniceks Ex-Frau Lieselotte dabei sein, Sängerin der ehemaligen DDR-Frauenrockband Mona Lise. Zusammen mit Sohn und Ex-Schlagzeuger von Silly, Sebastian, 32, hat sie zwei Protestlieder geschrieben. „Herr Wowereit“ will sie am Sonntag um 16 Uhr im Strandbad Müggelsee singen, das neue „Frau Bundeskanzlerin“ soll bei der Montagsdemo Premiere feiern. Für den rockigen Protest steht Liese Reznicek zum ersten Mal nach 21 Jahren wieder auf der Bühne. „Die Menschen haben auch ein Recht auf gesundes Leben“, sagt Liese Reznicek, die ein Haus in Rahnsdorf hat. „Jetzt geht’s ans Eingemachte.“

In Potsdam will die Bürgerinitiative „Fluglärmfreie Havelseen" vor der Staatskanzlei am Montag um 17 Uhr für ein Nachtflugverbot demonstrieren. Die Veranstalter wollen für 20 Minuten auf Schlafsäcken und Isomatten ein Nickerchen halten – damit sich der Ministerpräsident ein Bild davon machen könne, wie es aussieht, wenn die Brandenburger friedlich schlafen.

Informationen zur Menschenkette: http://fbi-berlin.org/menschenkette

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