Keuchusten : Eine tückische Krankheit

Keuchhusten ist hoch ansteckend. Und die Infektionszahlen steigt seit einigen Jahren wieder. Außerdem sind nicht nur Kinder, sondern immer mehr Erwachsene betroffen. Grund ist die Impfmüdigkeit.

Von Claudia Füßler
Auch bei Erwachsenen können schwere Symptome auftreten.
Auch bei Erwachsenen können schwere Symptome auftreten.Foto: Mauritius

Es ist keine hundert Jahre her, da starben in Deutschland jedes Jahr rund 10 000 Säuglinge am Keuchhusten. Dank einer in den 1930er Jahren erstmals eingeführten Impfung hat die hochansteckende Krankheit ihren Schrecken verloren. Doch seit Anfang dieses Jahres sind die Mediziner aufgeschreckt: Die Zahlen der Infizierten steigen stetig. Waren 2013 zu Beginn der Meldepflicht für Keuchhusten noch etwa 12 000 Fälle erfasst worden, erkrankten im vergangenen Jahr bereits mehr als 22 000 Menschen daran. Drei Säuglinge starben an der Infektion – das war lange nicht mehr geschehen. Experten sehen Grund für den Anstieg zum einen in der detaillierteren Erfassung, zum anderen aber hauptsächlich in immer größer werdenden Impflücken.
Ein trockener Reizhusten, Schnupfen, leichtes Fieber – die ersten Symptome von Keuchhusten erinnern an eine Erkältung. Die Kinder werden ins Bett gepackt, mit Tee, Taschentüchern und einer guten Geschichte versorgt. Erwachsene ignorieren die Krankheitsanzeichen meist und schleppen sich angeschlagen ins Büro. Bis die Symptome – bei Klein und Groß – schlimmer und die Hustenattacken so heftig werden, dass man sich erbricht.
Das ist im besten Falle einfach nur unangenehm. Für Säuglinge und Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder einer schweren Grunderkrankung kann Keuchhusten jedoch schnell lebensgefährlich werden: Sie leiden unter Atemaussetzern und die Lunge kann sich entzünden oder dauerhaft geschädigt werden. „Die Erkrankungszeichen sind anfangs häufig noch untypisch, sodass die Diagnose zu dem Zeitpunkt oft nicht gestellt wird. Gleichzeitig sind die Erkrankten genau dann schon hochinfektiös“, sagt Cornelia Feiterna-Sperling von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. So werden Kranke, die den Keuchhusten selbst gut wegstecken und ihn als hartnäckige Erkältung oder Bronchitis fehldeuten, zur Gefahr für andere. Denn Betroffene sind mindestens drei Wochen lang ansteckend und infizieren in dieser Zeit durchschnittlich 17 weitere Personen. Nahezu jeder Kontakt zwischen einem erkrankten und einem gesunden Menschen führt zur Ansteckung. Hinzu kommt, dass Keuchhusten sehr häufig atypisch verläuft, die bekannten Stadien also überhaupt nicht in dieser Form auftreten.

Früher hieß die Krankheit der "100-Tage-Husten"

So macht sich das zweite Stadium bei Säuglingen unter sechs Monaten meist nicht mit den charakteristischen Hustenanfällen, sondern mit Atemstillständen bemerkbar. „Säuglinge im ersten Lebensjahr haben zudem ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie Apnoen, Lungenentzündungen oder Krampfanfälle“, sagt Feiterna-Sperling. Jugendliche und Erwachsene werden oft nicht mit Keuchhusten diagnostiziert, weil sie als einziges Symptom einen trockenen Husten haben. Das Problem: In ihrem Blut ist der Erreger dennoch nachweisbar, sie können also andere anstecken.
Keuchhusten ist weltweit eine der häufigsten Infektionserkrankungen der Atemwege. Die Betroffenen husten über mehrere Wochen oder sogar Monate. Der Volksmund nannte die Erkrankung daher früher auch den 100-Tage- Husten. Der Erreger des Keuchhustens heißt Bordetella pertussis. Dieses Stäbchenbakterium produziert verschiedene Giftstoffe, die die Schleimhäute der Atemwege schädigen und so die Symptome verursachen. Ein zweiter Erreger, Bordetella parapertussis, kann ebenfalls Keuchhusten verursachen. Allerdings erkranken weniger als 20 Prozent der von diesem Bakterium befallenen Menschen an Keuchhusten, der Großteil bekommt entweder eine einfache akute Bronchitis oder merkt überhaupt nichts von der Infektion.
Der Keuchhusten, sagt Ulrich Heininger, ist auf vielen Ebenen kompliziert. Der Professor ist Leitender Arzt in der Pädiatrischen Infektiologie und Vakzinologie des Universitäts-Kinderspitals beider Basel und hat sich zu Pertussis – so der medizinische Name für Keuchhusten – habilitiert. „Eine Therapie muss so früh wie möglich begonnen werden – dann, wenn man eigentlich noch gar keinen Verdacht hat, dass es Keuchhusten sein könnte“, sagt Heininger.

» Mehr lesen? Jetzt gratis Tagesspiegel testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben