Berlin : KFZ-Kennzeichen: Dem Wunsch-Nummernschild sind kaum Grenzen gesetzt

Werner Schmidt

Sie sind die wichtigsten Teile an einem Fahrzeug. Ohne sie darf kein Auto auf der Straße gefahren werden - die Nummernschilder oder, offiziell, die Fahrzeugkennzeichen. Sie machen aus den Massenprodukten von deutschen, amerikanischen oder japanischen Fließbändern für die Polizei zu identifizierende Fahrzeuge. Früher wurden sie bei den Kraftfahrzeugzulassungsstellen einfach zugeteilt, inzwischen darf sich jeder gegen eine Zusatzgebühr von 20 Mark seine Lieblingskombination aussuchen.

Die ersten Buchstaben sind zwar je nach Stadt oder Kreis vorgeschrieben, aber die Mittelbuchstaben darf man nach den Initialen des eigenen Namens oder denen der Freundin wählen, die Ziffern nach Geburtstag, Hochzeitstag oder PS-Zahl - der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Lediglich die Postleitzahl kann man sich nicht mehr aufs Kennzeichen drucken lassen, seit die Post auf fünf Stellen umstellte. Normale Nummernschilder haben maximal vier Ziffern.

Neben dem normalen Nummernschildern gibt es zahlreiche Sonderkennzeichen: Wer ein neues Fahrzeug zulässt oder ummeldet und dazu neue Kennzeichen benötigt, muss sich ein Eurokennzeichen beschaffen. Dies hat am linken Rand einen 4,5 Zentimeter breiten, blauen Balken mit dem goldenen Sternenkranz der Europäischen Union und darunter ein D für Deutschland. Parallel dazu sind noch die alten Standardkennzeichen ohne Euro-Balken und einem schwarzen Trennstrich zwischen den Buchstabenblöcken gestattet.

Daneben gibt es noch die Grünen Kennzeichen: Diese sehen aus wie die normalen Euro-Nummernschilder, sie haben aber einen grünen statt eines schwarzen Randes. Auch die Beschriftung ist grün. Diese Fahrzeuge sind von der Steuer befreit. Vorwiegend land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge erhalten diese Kennzeichen.

Vor drei Jahren wurde die Palette der Sonderkennzeichen um eines erweitert, das H-Kennzeichen für Oldtimer. Es sieht aus wie ein Euro-Nummernschild, trägt rechts aber ein zusätzliches "H" für historisch. Beantragen können es Halter von Fahrzeugen, die 30 Jahre oder älter sind. Zuvor muss aber ein Gutachten von TÜV oder Dekra bestätigen, dass das Fahrzeug als "Kulturgut" eingestuft wird und es in einem weitgehend originalen Zustand ist, sagte der Leiter der Zulassungsstelle in Hohenschönhausen, Rainer Kotecki. Der Vorteil des "H": Das Fahrzeug muss weder zum TÜV noch zur Abgasuntersuchung (AU). Diese Autos werden pauschal mit jährlich 375 Mark besteuert, Motorräder mit 90 Mark. Oldtimer-Freunde, die ein solchen Kennzeichen nicht erhalten, weil ihre Fahrzeuge noch keine 30 Jahre auf dem Buckel haben oder bei denen mehrere historische Autos in der Garage stehen, die mindestens 20 Jahre alt sind und diese abwechselnd fahren wollen, können auf das Rote Oldtimer-Kennzeichen ausweichen. Diese beginnen mit der Ziffernkombination 07. Im Gegensatz zu den H-Kennzeichen sind die roten Nummern nicht einem Fahrzeug fest zugeteilt. Für Probe-, Überführungs- oder Prüfungsfahrten gibt es Rote Kennzeichen für das Kfz-Gewerbe. Diese beginnen mit der Zahlenfolge 06.

Für Motorräder, Cabrios oder Wohnmobile werden seit März 1997 Saisonkennzeichen ausgegeben. Sie gelten für einen frei wählbaren Zeitraum des Jahres, der an der rechten Seite des Schildes als "Bruch" angegeben ist: Oben steht der Anfangsmonat, darunter der Endmonat auf weißem Grund.

Dann gibt es noch Kurzzeitkennzeichen: Sie haben kein Eurofeld und sind an dem gelben Balken auf der rechten Seite zu erkennen, das den letzten Tag der auf fünf Tage beschränkten Gültigkeitsdauer angibt. Das seit dem 1. Mai 1998 ausgegebene Nummernschild ist für Überführungsfahrten innerhalb Deutschlands gedacht und ersetzt das früher verwendete rote Kennzeichen.

Schließlich gibt es noch die Ausfuhrkennzeichen. Früher waren dies relativ große ovale "Zoll"-Nummernschilder für Fahrzeuge, die für ins Ausland überführt werden. Heute erkennt man diese Nummernschilder am fehlenden Eurofeld und dem roten Balken auf der rechten Seite, in dem wiederum die Gültigkeitsdauer geprägt ist.

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