KfZ-Meister Detlef Drawert : Bittsteller nach Behördenfehler

Nach 33 Jahren musste Detlef Drawerts Autowerkstatt umziehen, weil der Mietvertrag gekündigt wurde. Am neuen Standort erteilte das Bezirksamt eine rechtswidrige Baugenehmigung. Jetzt geht ihm langsam das Geld aus.

Stefan Jacobs

Erst musste Detlef Drawert mit seiner Autowerkstatt umziehen, weil ihm sein Mietvertrag gekündigt wurde. Dann, weil ihm das Bezirksamt für den neuen Standort eine rechtswidrige Baugenehmigung erteilt hatte, gegen die ein Nachbar erfolgreich klagte. Jetzt könnte er theoretisch wieder zurück an den alten Platz. Praktisch aber nicht, weil die alten Werkstattgebäude inzwischen abgerissen worden sind und Detlef Drawert langsam das Geld ausgeht.

Angefangen hatte alles 2003. Damals musste der Kfz-Meister nach 33 Jahren das Grundstück in der Greifswalder Straße verlassen, weil das klamme Erzbistum Berlin als Eigentümer das Areal an die „Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft“ – ein Immobilienunternehmen, an dem mehrere Erzbistümer beteiligt sind – verkauft hatte. Er mietete ein Nachbargrundstück und baute nach eigener Auskunft für 200 000 Euro seinen Betrieb neu auf. Bis ein Anwohner gegen die Werkstatt klagte. Tatsächlich bestätigte das Verwaltungsgericht, dass die Werkstatt im Wohngebiet nicht hätte gebaut werden dürfen. Das Bezirksamt Pankow, das die ungültige Baugenehmigung erteilt hatte, verlor auch die Berufung. Seitdem darf Drawert in seiner Werkstatt zwar Aufträge annehmen und Reifen lagern, aber nicht schrauben. Also fahren seine Kfz-Schlosser mit den Autos der Kunden zu einer provisorischen Werkstatt – fünf Kilometer hin, fünf zurück, bis zu zehn Mal am Tag, auf Firmenkosten. „Ich bin finanziell jetzt richtig in der Bredouille“, sagt Drawert.

Sein Anwalt hat beim Bezirksamt rund 220 000 Euro Schadensersatz beantragt. In der vor wenigen Tagen eingetroffenen Antwort wird der Anspruch zwar anerkannt, aber die Forderung für viel zu hoch befunden. Auf zweieinhalb Seiten werden Abstriche aufgelistet und Belege gefordert. Das Amt zweifelt nicht nur die Baukosten an, sondern auch die in Rechnung gestellten 8,5 Arbeitstage für die Suche nach einem neuen Standort.

Drawerts Anwalt sagt: „Wir sind natürlich daran interessiert, dass da zügig Geld kommt“, und findet das Eingeständnis des Behördenfehlers „erst einmal positiv“. Aus Drawerts Sicht wäre eine gütliche Einigung zwar finanziell katastrophal, aber vermutlich die einzige Chance: „Eine Klage würde mit Berufung mehr als zwei Jahre dauern. Bis dahin kann ich zumachen.“ Wann und wie er allerdings seine Kosten fürs Bezirksamt plausibel addieren und belegen soll, weiß er noch nicht.

Während Drawert gerade eine Ersatzwerkstatt in Weißensee herrichten lässt, erreichte ihn das überraschende Angebot eines Stammkunden. Der Mann, erzählt Drawert, habe das alte Grundstück von der Immobiliengesellschaft der Kirche gekauft und ihm jetzt angeboten, an den alten Standort in der Greifswalder Straße zurückzukehren. Nur sind die Gebäude abgerissen und der Bestandsschutz für den Werkstattbetrieb verfallen.

Dass Drawerts Kunde das Grundstück kaufen konnte, überrascht angesichts der Vorgeschichte. Denn in einem Brief an den von Drawert um Hilfe gebetenen Pankower Bundestagsabgeordneten Wolfgang Thierse (SPD) rechtfertigte die kirchennahe Immobiliengesellschaft im Jahr 2003 die Räumung des alten Grundstücks auch mit einem „Neubauvorhaben ab März 2005“. Die Planungen dafür seien „bereits weit fortgeschritten“, und die Millioneninvestition sichere Arbeitsplätze. „Bei dieser Entscheidung müssen wir kein schlechtes Gewissen haben“, schrieb die Immobiliengesellschaft an den damaligen Bundestagspräsidenten. Jetzt hieß es auf Nachfrage nur: „Wie wir mit unseren Grundstücken umgehen, geht niemanden von außen was an.“ Stefan Jacobs

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