Berlin : Kfz-Zulassungsstellen: CONTRA von Andreas Conrad

Typisch deutsch. Oder sollte man, der Gerechtigkeit halber, lieber einschränken: Typisch preußisch? Ein bürokratischer Apparat zeigt gewisse Funktionsmängel, und flugs soll er durch einen neuen, noch größeren ersetzt werden. Denn das kann man sich doch schon an fünf Fingern ausrechnen: Mit dem Personal der momentanen, zentralen Lösung ist die bezirkliche Aufsplitterung des Zulassungswesens nicht mehr zu leisten.

Zum Thema Ted: Sollen die Kfz-Zulassungsstellen dezentralisiert werden? Man könnte den gut gemeinten Vorschlag also bereits unter Hinweis auf aktuelle Sparzwänge zur Seite legen. Doch worum geht es überhaupt? Um, sagen wir mal, zwei Stunden, die der durchschnittliche Kfz-Besitzer alle paar Jahre in den Gängen der Zulassungsstelle verbringt. Länger hat es - diese Zeilen entspringen eigener Erfahrung - nie gedauert, als das Cabrio Jahr für Jahr auf dem Kreuzberger Amt im Frühling zugelassen und im Herbst gegen das Winterauto getauscht wurde. Schmiermittel waren dazu nie erforderlich. Zwei Stunden! Ist das wirklich unzumutbar? Was nicht gegen wünschenswerte (und teilweise bereits vollzogene) Verbesserungen im Arbeitsablauf der Behörde spricht. Und auch nicht dagegen, das die eiligen Autobesitzer sich gefälligst vorher darüber informieren könnten, welche Papiere sie für diesen oder jenen Verwaltungsakt denn nun brauchen. Heben wir schließlich unseren Blick ein wenig über den Berliner Tellerrand, blicken wir in die Provinz: Der Weg nach Kreuzberg oder Hohenschönhausen sei für Bezirksfremde zu weit? Ja, was sollen denn die Bewohner der Brandenburgischen Pampa sagen, die für das gleiche Anliegen eigens in ihre Kreisstadt müssen? Jedem Kuhdorf seine eigene Zulassungsstelle? Lässt sich zweifellos machen. Die Kfz-Steuer freilich müsste man verdoppeln - mindestens.

0 Kommentare

Neuester Kommentar