Berlin : Kick fürs Leben

Mehr als 4000 Zuschauer kamen zum Hertha-Benefizturnier zugunsten der Familie des ermordeten Polizisten Uwe Lieschied

André Görke

Patti ballte kräftig die Faust. Auf den Tribünen klatschten und jubelten sie, der Stadionsprecher rief „Torschütze: Uwe!“ ins Mikrofon. Und Patti zeigte mit beiden Daumen demonstrativ auf den Schriftzug seines Fußballtrikots. „Uwe“ stand da. Die Zuschauer jubelten noch lauter.

Uwe, damit ist Uwe Lieschied gemeint. Jener Polizist, der am 17. März in der Neuköllner Fontanestraße niedergeschossen wurde. Und „Patti“, wie sie alle den jungen Mann mit den blonden Strähnen nannten, ist einer der beiden Söhne, Patrick Lieschied. Und Patti lachte.

„Ich bin einfach überglücklich“, sagte er später, „es war superschön“. Mehr als 4000 Zuschauer waren zum Benefizspiel für die Familie des ermordeten Polizisten gekommen. Hertha BSC hatte auf die sonst übliche Gage von 30 000 Euro verzichtet. Lieschied war Anhänger des Vereins, seit langem schon, wie es jetzt auch seine Söhne sind. „Die Zeit des Trauerns ist vorbei“, sagte Lieschieds Freund und Kollege, Alexander Hagenstein. „Es ist schön, mal wieder so viele Menschen lachen zu sehen.“

Patrick, 19, und Oliver, 17, standen ja auch auf dem Fußballplatz. Sie hatten die Auswahl „Polizei and Friends“ aufs Feld geführt. Jeder von ihnen hatte das grüne Trikot mit dem „Uwe“-Schriftzug auf dem Rücken an, darunter stand die Zahl „55“, Lieschieds Polizeiabschnitt. Auf der Brust stand: „Für immer“.

Auch die Frau des Verstorbenen saß auf der Tribüne. Neben ihr hatte Polizeipräsident Dieter Glietsch Platz genommen, der sich über die „entspannte, fast fröhliche Atmosphäre“ freute. Auch Innensenator Ehrhart Körting (SPD) war froh, dass so viele Zuschauer ins Stadion gekommen waren und „Solidarität mit der Familie und der Polizei“ gezeigt haben. Das Verbrechen habe viele bewegt, sagte Körting, vielen sei noch einmal bewusst geworden, „wie viel sie an der Polizei haben“.

Nach der Schweigeminute, in der einige weinten, kehrte Fröhlichkeit ein. Das lag vor allem am schnellen Tor von Lieschieds Sohn Patrick, der sich darüber so sehr freute. Viele tranken einfach ein Bier in der Sonntagsonne, andere probierten gleich mehrfach von all den Kuchen, die Lieschieds Freunde gebacken hatten.

„Gänsehaut“ hatte Herthas Profis Alexander Madlung gespürt, sie alle hätten an die beiden Söhne denken müssen, die nur ein paar Jahre jünger seien als sie.

Stars wie Dick van Burik oder Marcelinho waren auch nach Neukölln gekommen, sie spielten aber nicht mit, sondern schauten zu und schrieben Autogramme.

Spaß machte das Spiel den Zuschauern dennoch, 14:5 gewannen die Profis. Dass die Polizisten so viele Tore erzielen konnten, lag auch ein bisschen an Herthas Profi Andreas „Zecke“ Neuendorf. Mal griff er zur Überraschung der eigenen Kollegen das eigene Tor an, in der zweiten Halbzeit stellte er sich gar selbst zwischen die Pfosten. Er ließ ein paar harmlose Bälle durch und grinste und flachste.

Nur nach dem Abpfiff war Neuendorf noch einmal ruhig. Da nahm er die beiden Söhne in den Arm nahm und drückte sie an sich.

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