Berlin : Kicken vorm Reichstag: Jetzt kontert der Fußball-Verband

Vereinssportler drohen Aktionen gegen Spielverbot an

Holger Wild

Aus Spiel wird Ernst – und das Kicken vor dem Reichstag zum Thema eines handfesten Konflikts. Am Mittwoch protestierte der Berliner Fußball-Verband (BFV) heftig gegen die Ankündigung des Grünflächenamtes Mitte, das Fußballspielen auf dem Platz der Republik zukünftig mit einem Bußgeld von 50 Euro zu ahnden (wir berichteten).

Der Verband droht damit, seine organisierten Fußballer zur Unterstützung der Freizeitsportler zu mobilisieren – immerhin 100 000 Berliner –, wenn das Bezirksamt nicht von seinem „unglaublichen Vorhaben“ abrücken sollte. Zunächst werde man die Entwicklung beobachten, sagte BFV-Sprecher Frank Schlüter. Sollte das Bezirksamt aber tatsächlich durchgreifen wollen, „dann werden wir auch die eine oder andere Aktion machen“.

Der Fußball-Verband beruft sich auf die Tradition der Wiese vor dem Reichstag, die „seit Jahrzehnten ein beliebter Treffpunkt für Hobby-Sportler“ sei. Der Platz der Republik sei schon immer als Forum der Bürger verstanden worden, sagte Schlüter. Und sollte etwa die unterirdisch verlegte Bewässerungsanlage des Platzes die Beanspruchungen durch die Freizeit-Kicker nicht aushalten können, so handele es sich um einen „peinlichen Planungsfehler“.

Mit Schäden an der Bewässerungsanlage und Löchern im Rasen hatte der Leiter des Grünflächenamtes von Mitte, Harald Büttner, die Bußgeld-Androhung begründet. Die von einem Gartenarchitekten neu gestaltete und seit Herbst wieder zugängliche Anlage hatte 2,3 Millionen Euro gekostet. Büttner sagt, er habe kein Geld, um regelmäßig Schäden im Rasen auszubessern: „Ein Quadratmeter kostet 35 Euro.“ Für alle Grünflächen im Bezirk stünden ihm nur 1,5 Millionen Euro im Jahr zu Verfügung, die aber auch für die Stadtteilparks reichen müssten.

„Sparwut-Exzess“ nennt das Fußballer-Sprecher Schlüter. Und auf Büttners Argument, auf den Platz müssten sich Familien setzen können, ohne sich vor herumfliegenden Bällen zu fürchten, erwidert er: „Das lässt sich lösen. Dann setzen die sich eben näher zum Reichstag hin.“

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