Berlin : Kids treffen Spitzensportler: "Kick"-Projekt sucht Unterstützer

jmw

Hans-Joachim Lazai kann es nicht lassen. "Wenn ich von hundert jungen Menschen drei auf den richtigen Weg bringen kann, dann ist das jede Anstrengung wert", sagt er. Sein neuestes Projekt heißt "Kids treffen Spitzensportler". Die Begegnung mit ihren Idolen soll Kindern und Jugendlichen klar machen, dass sich der Einsatz für ihre persönlichen Ziele auszahlt, Gewalt hingegen nicht. In den 80ern hatte der ehemalige Kriminalhauptkommissar gemeinsam mit der Berliner Sportjugend das Anti-Gewalt-Programm "Kick" ins Leben gerufen. Das Konzept damals: Polizisten vermitteln straffällig gewordenen Jugendlichen den Kontakt zu Sozialarbeitern, die in eigens eingerichteten Treffs Angebote zur Freizeitgestaltung machen: vom Fußballspiel bis hin zum gemeinsamen Behördengang. Inzwischen ist der 62-jährige Lazai Rentner und Kick ein Vorzeigeprojekt des Innensenators. Zeit, sich eine neue Herausforderung zu suchen. Doch auch diesmal gibt es Anlaufschwierigkeiten: "Bislang ist die Aktion untergegangen." Und, was viel schlimmer sei, mit dem Alba-Basketballteam habe sich bisher nur ein Partner gefunden.

Der allerdings ist zufrieden. "Vorher hatten wir rein sportliche Workshops in Schulen veranstaltet", sagt Alba-Manager Carsten Kerner. "Doch als Lazai auf uns zu kam, da war uns klar: Die Verbindung von Sport und Gewaltprävention, das ist es." Der Reinhardswald-Grundschule in Kreuzberg haben die Basketballer bereits mehrere Besuche abgestattet. Auch wenn Kerner sich nicht auf eine alleinige Partnerschaft mit der Schule festlegen will, so steht für ihn doch fest: "Unser Engagement ist von Dauer." Und es reicht von Streetballturnieren mit Alb-Stars über Einzelgespräche in den Klassen bis hin zur Einladung an die Schüler, zum Heimspiel in die Max-Schmeling-Halle zu kommen. "Unsere Jungs sagen auch nichts anderes als die Lehrer. Aber wenn ein Spieler wie Patrick Femerling Gewalt verurteilt, dann hat das eine andere Wirkung."

Genau die erhofft sich Hans-Joachim Lazai. Heute dringender denn je. "Die Affären der Politiker haben verheerende Auswirkungen", sagt er. "Die Jugendlichen verstehen nicht, warum Klauen oder Schwarzfahren da verwerflich sein soll." Wobei er noch nachvollziehen könne, wenn jemand einen Diebstahl begeht. "Aber sinnlose Gewalt, das kapiere ich einfach nicht." Insofern ist für ihn das neue Projekt keine Aktion, die man bei Gelegenheit mal vorantreiben könne, sondern eine "unaufschiebare Notwendigkeit für jeden, der die Gewalt in unserer Gesellschaft als unerträglich empfindet."

Doch zur Umsetzung braucht Lazai Partner: Vereine, Einzelakteure, gerne auch Showstars. Am Spitzensportler-Motto hängt er am wenigsten. Allerdings hat er seine persönlichen Wunschpartner: Hertha BSC etwa oder der Boxer Sven Ottke. Schulen hingegen, für die das neue Präventionsprojekt in Frage käme, gibt es genug. Und Werner Munk, Rektor der Reinhardswald-Grundschule, spricht aus eigener Erfahrung, wenn er sagt: "Gerade in sozialen Brennpunkten kann ein solches Projekt viel bewegen." Ein Anfang ist gemacht. Mehr nicht.

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