Berlin : "Kids zurück": Hilfe für Eltern, die ihre Kinder zurückholen wollen

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Die Frau von Bernd-Michael U. kam aus dem Urlaub in ihrer Heimat Kanada nicht zurück. In der Beziehung hatte es gekriselt, die Kanadierin fühlte sich nicht wohl in Europa. Weil die Frau den gemeinsamen zweieinhalbjährigen Sohn einfach mitnahm, könnte aus der Ehekrise möglicherweise ein Kriminalfall werden. Auch Bernd-Michael U. hat das Sorgerecht, er sieht sich als Opfer eines Kindesentzugs, einer Straftat, die mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden kann. Zurzeit bemüht er sich, seinen Sohn zurück nach Deutschland zu holen. Ein kanadisches Gericht soll darüber entscheiden. In Fällen wie diesem will künftig die Initiative "Kids zurück" helfen, die von der Berliner Rechtsanwältin Kerstin Niethammer-Jürgens ins Leben gerufen wurde. Sie soll für Opfer von Kindesentzügen Geld sammeln.

Die ihnen weggenommenen Kinder zurückzuholen, bedeute für die Eltern zurzeit noch eine enorme finanzielle Belastung, sagt Niethammer-Jürgens am Wochenende. Kosten für den Anwalt im Ausland, Hotels, Flüge, Übersetzungen und zum Teil auch für Detektive gingen leicht in den sechsstelligen Bereich. Unterstützt werde die Initiative auch von der Sängerin Nina Hagen, sagt Niethammer-Jürgens. Dieser gelang es vor kurzem, ihren vom Vater in die USA entführten Sohn zurückzubringen.

Die Frage, ob es sich um Kindesentziehung handelt, war auch im Ehestreit zwischen Barbara und Boris Becker aufgetaucht, weil Barbara Becker ihre beiden Söhne mit nach Miami genommen hatte. Nina Hagen kam die Haager Übereinkunft zugute - ein Rechtshilfeabkommen zwischen über 50 Staaten, das besagt, dass entführte Kinder schnell in ihr Heimatland zurückgebracht werden müssen, noch bevor langwierige Sorgerechtsstreitereien entschieden sind.

Bei Kindesentzügen, die natürlich nicht nur über Landesgrenzen hinweg passieren, werde ein Scheidungskrieg auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, sagt Christiane Lops von der Elterninitiative "Commission for Missing Children". Es gebe sehr viele verschiedene Motive, sagt Niethammer-Jürgens. Der Elternteil, der das Kind an sich nehme, sei oft überzeugt, er tue ihm etwas Gutes. In binationalen Ehen spiele die Bindung an den Heimatstaat eine große Rolle. Die Mütter oder Väter sagten sich: Dort sind die Großeltern, Freunde und Verwandte, dorthin nehme ich mein Kind mit. Bei islamischen Vätern spielt ferner die kulturelle Bedeutung des Mannes als Familienoberhaupt eine Rolle. Zudem seien finanzielle Verpflichtungen gegenüber dem Ex-Partner häufig von Bedeutung. Lobs: "Da wird das Kind als Waffe eingesetzt.

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