Kiezbewohner kontra Touristen : Berlin liebt dich, Berlin liebt dich nicht ...

16.05.2011 11:23 UhrVon Annette Kögel
  • Wie soll man das verstehen? Hat Berlin kein Herz für Touristen? Und wer steckt hinter den Klebe-Botschaften? - Foto: dapd
  • Die Aufkleber tauchten eines Tages in Kreuzberg auf - und heizten die Diskussion um touristenfeindliche Tendenzen im Szene-Kiez erneut auf. Aber muss man das wirklich ernst nehmen?... - Foto: dapd
  • Die Gefahr besteht, dass man einer Randerscheinung zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Schließlich kommt hier längst nicht die Meinung der Mehrheit zum Ausdruck. - Foto: dapd

Hat Berlin wirklich kein Herz für Touristen? Die Debatte beschäftigt die Kreativszene und ausländische Medien, beeinträchtigt die Berlin-Buchungen aber nicht.

Vor allem in Kreuzberg ist der Aufkleber oft zu sehen: „Berlin liebt dich nicht“, mit dem durchgestrichenen Herzen. Die Sticker sollen laut Gerüchten aus der Szene von zwei jungen Männern stammen, einer soll ein „Zugereister“ sein. Die beiden pappen die Anti-Touristen-Aufkleber auch an Wände von Cafés – und sollen durchaus ernsthaft und freundlich auch mit Berlinern diskutieren, die die Touristenschelte ablehnen. Gerade erst zeigten die „Tagesthemen“ die Sticker.

Hat die Stadt denn nun wirklich kein Herz für Touristen? Im Ausland beschäftigt diese Frage durchaus die Medien, sagt Burkhard Kieker, Geschäftsführer von „Visit Berlin“.

Er habe gerade erst einen Anruf vom „Wall Street Journal“ bekommen. Wegen tourismuskritischer Stimmen in Kreuzberg läuft laut Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) ein Mediationsverfahren mit Anwohnern des partygeplagten Wrangelkiezes, Wirtschaftsstadtrat und Quartiersmanagement.

Die Berlin-Buchungen beeinträchtige die Debatte nicht, sagt Stadtwerber Kieker. Visit Berlin wirbt jetzt mit der Kampagne „Sommer in Berlin“ – mit Classic Open Air, Auftaktspiel zur Frauenfußball-WM, Karneval der Kulturen, dem CSD, DFB-Pokalfinale. „Im Ausland schwärmen viele, dass man nach einem Großstadttrip selbst im Sommer nicht geschafft ist“, sagt Kieker. Ein Drittel aller Gäste sind junge Partyhungrige, für sie stellt die Club Commission den „Club Matcher“ als Orientierung ins Netz.

Die Stadtvermarkter von „Visit Berlin“ und Vertreter von Berlins Kreativszene richten einen Appell an die Landespolitik. „Es kann nicht sein, dass der Senat einerseits mit Berlins unkonventioneller Kulturszene wirbt und andererseits nicht auf die Bezirke einwirkt, diese auch zu erhalten“, sagt Lutz Leichsenring, Sprecher der Club Commission. Kieker meint, „die Stadt muss aufpassen, dass sie nicht durch die Macht einiger spießiger Sachbearbeiter in den Bezirksbehörden ihre kulturelle Vielfalt zerschießt“. So haben laut Christoph Klenzendorf, Chef der einstigen Bar 25, Kulturbetreiber Probleme mit dem Bauamt Mitte, „aber da traut sich kein Politiker ran“. Wie beim Bar-25-Nachfolger Kater Holzig liege zu viel Entscheidungsgewalt bei einem Sachbearbeiter, so die Kritik. „Das ist Auslegungssache, ob die Interessen der Anwohner oder derjenigen gehört werden, die ein Aushängeschild der Stadt betreiben.“ Der „Kater“ soll für zwei Jahre eine große Kulturstätte werden – im künftigen Wohngebiet. Jetzt lädt noch der Yaam-Club an der Spree ein. Die Openair-Bar Kiki Blofeld darf noch bis zum 10. Oktober öffnen – Betreiber und Käufer einigten sich außergerichtlich.

Gefährdet ist allerdings die Fête de la Musique ab 2012: Veranstalterin Simone Hofmann sagt, ihr Team schaffe es nicht mehr, das berlinweite Musikfest zu organisieren, wenn Senat und Lotto sie nicht weiter finanziell unterstützten. (mit ses)

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