Kieziges Berlin : Fair auf der Flucht

Nur noch fair hergestellte und gehandelte Waren in Friedrichshain und Kreuzberg - fordern die Grünen. Politisierung oder Flucht in die Vergangenheit?

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Legal kiffen, noch so ein wichtiges Thema - jedenfalls für die Grünen.
Legal kiffen, noch so ein wichtiges Thema - jedenfalls für die Grünen.Foto: Kai-Uwe Heinrich tsp

Das ist doch mal eine Nachricht: Die Grünen in Friedrichshain- Kreuzberg fordern Fairtrade für alle. „In Lebensmittelgeschäften und Restaurants sollen Produkte mit Fair- Trade- Siegel angeboten, in Schulen, Vereinen und anderen öffentlichen Einrichtungen Produkte aus fairem Handel verwendet werden“, fordert Fraktionschef Jonas Schemmel. Weltweit gebe es schon 1500 „Fair-Trade-Towns“. Tatsächlich, und ausgerechnet die Geburtsstätte der Alternativen Liste ist nicht dabei? Geht gar nicht; die Ruckrede der Grünen kommt gerade recht. Sicher, das Rathaus hat sich zuletzt große Verdienste erworben im Kampf um das eigene Biotop: Mit Coffee-Shops im Kiez, für die sich die Bezirksbürgermeisterin stark macht, setzt sich der Bezirk wieder an die Spitze der Bewegung. Und dann gibt es ja noch den ersten Supermarkt ohne Verpackungen. Radikal – ganz legal. Ja, die Grünen besinnen sich auf ihre Wurzeln dieser Tage. Repolitisierung ist ihnen das, was der SPD die Rekommunalisierung. Und ist das auch gut so? Für Kreuzberg als Biotop experimenteller Lebensentwürfe mag das angehen. Für eine ernsthafte Alternative an der Spitze des Landes sieht man mit diesen Grünen allerdings schwarz. Die Grünen sind irgendwie auf der Flucht. Fair Trade ist gut und richtig, aber gibt es nicht andere Probleme im Bezirk?

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