Berlin : Kiezkino Bali: Kulturpalast statt Lichtspielhütte

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Eine fast unendliche Geschichte um Kino, Kiez und knappe Kassen geht bald offenbar doch noch ihrem Happy End entgegen: das Kino Bali am Teltower Damm, Ecke Gartenstraße soll nach dem Willen des Bezirksamts in den Primus-Palast an der Berliner Straße ziehen.

"Derzeit stimmen wir das Kleingedruckte des Kaufvertrages mit dem Investor ab, aber fest steht, dass die kulturelle Nutzung des Gebäudes samt Kino darin festgeschrieben ist", erklärte Finanzstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD) am Mittwoch. Den Namen des Käufers will der Stadtrat zwar erst verraten, "wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist". Doch auch die engagierte Kinobetreiberin, Helgard Gammert, ist sich diesmal ziemlich sicher, dass die Zukunft ihres kleinen Lichtspielhauses in künftig recht repräsentativem Rahmen gesichert ist. Denn an dem Konzept für die kulturelle Nutzung des Primus-Palastes - einem wuchtigen Theaterbau aus den 20er-Jahren - hat sie nach eignem Bekunden kräftig mitgewirkt. Hintergrund des damit wohl beendeten Bangens um die Zukunft des Zehlendorfer Kulturkinos ist der Verkauf des Immobilienensembles um den Primus-Palast durch den Berliner Liegenschaftsfonds. Im Gespräch ist der Umzug des bisher in einem simplen Flachbau untergebrachten Bali-Kinos in den Palast seit langem, schien aber zwischenzeitlich unsicher. Doch die Bezirkspolitiker waren jetzt offenbar bereit, für mehr Kultur im Kiez Zugeständnisse beim Verkauf zu machen.

"Wir hätten auch mehr verlangen können", so Laschinsky. Doch bei der Nutzung der Immobilie hätte der Bezirk dann keinen Einfluss mehr gehabt. "Der Investor hat sich mit meinem Konzept bereits einverstanden erklärt", sagt auch Helgard Gammert. Nicht nur anspruchsvolles Kino soll im Primus-Palast künftig angeboten werden. Teil des Konzeptes sind auch ein Bistro im Foyer, ein Restaurant, Konzerte und Theatervorstellungen. Ziel des Unternehmens sei es, Zehlendorf zu beleben. Kinomacherin Gammert wünscht sich einen Treffpunkt europäischer Kultur im Süden Berlins. Das Bali-Kino hat sie mit ihrer einfallsreichen Kulturarbeit und zusätzlichen Veranstaltungen seit 1979 bereits zu einer Institution gemacht.

Sogar ein Unterstützerverein trat Anfang der 90er-Jahre auf den Plan, als dem beliebten Haus wegen zu hoher Mieten das wirtschaftliche Aus drohte. Das jetzt in Aussicht stehende neue Domizil - das ehemalige Jürgen-Fehling-Theater - ist nach dem Krieg eine der ersten Bühnen gewesen, die wieder bespielt wurden. Mit "Mephisto" Gustaf Gründgens stand hier ein recht klingender Name im Programm.

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