Berlin : Kiezrundgang durch einen "Slum"

"Ich wehre mich gegen den Begriff Slum", betonte Bezirksbürgermeisterin Monika Wissel (SPD). Dass es am Klausenerplatz und in der Umgebung durchaus Probleme gebe, sei ihr aber bewusst, sagte sie jetzt bei einer Diskussion nach einem eineinhalbstündigen Kiezrundgang. Zwei Dutzend Anwohner hatten daran teilgenommen. Als Hauptthema erwies sich der Schmutz auf den Straßen - zumal als Gesprächspartner auch der Leiter des BSR-Betriebshofs an der Ilsenburger Straße, Thomas Becker, dabei war.

Als "schmutzigste Straße" bezeichnete ein Anwohner den Horstweg. Andere beklagten den Dreck vor den Aldi- und Penny-Märkten im Kiez. "Kurz nach der Ladenöffnung liegt schon Zeug herum", hieß es. Bei dem Rundgang war davon freilich nichts zu sehen. Betriebshofleiter Becker bestritt, dass die BSR zu wenig tue. Der Klausenerplatz und seine Umgebung gehörten zur "Reinigungsklasse zwei", was eine tägliche Säuberung außer am Wochenende bedeute. Becker gab seine Büronummer für Anregungen und Beschwerden bekannt (34 97 61 00). Eine ältere Dame nahm die Stadtreinigung in Schutz: "Sie geben sich größte Mühe. Die BSR ist nicht schuld, es liegt an den Menschen."

Kritisiert wurde auch ein Mangel an Papierkörben. Bürgermeisterin Wissel sagte, dass der Bezirk für das kommende Jahr die Aufstellung weiterer Behälter überlege. In diesem Jahr stünden aber keine Gelder mehr zur Verfügung. Zusammen mit den Anwohnern sprach sie sich für die Wiedereinführung von "Sperrmülltagen" aus.

Als weiteres Problem wurde der erhebliche Leerstand von Gewerberäumen im Kiez genannt. Tatsächlich finden sich alle paar Meter verschlossene Läden und "Zu vermieten"-Schilder in den Fenstern. Das unlängst gegründete "Kiezbündnis Klausenerplatz" und die Wohnungsbaugesellschaft WIR haben nun Vorschlagslisten in Geschäften ausgelegt, damit Anwohner ihre Ideen für die Neuvermietung äußern können. Als Anzeichen für eine "Verslumung" werteten Anwohner, dass die Einwohnerzahl rund um den Platz in den vergangenen fünf Jahren um sechs Prozent gesunken ist. Vor allem Familien mit Kindern zogen weg.

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