Berlin : Kiezstreife junior

Jugendlicheschütztenam1.MaidasKreuzbergerFest Dafür wurde ihnen der Mete-Eksi-Preis verliehen

Daniela Martens

Jedes Frühjahr säumten ausgebrannte Autos Cem Erkencis Schulweg. Der 17-Jährige ist in Kreuzberg aufgewachsen, dort wo am 1. Mai die Krawalle toben. Doch im vergangenen Jahr kamen Cem und seine Freunde auf den Gedanken, für Ordnung zu sorgen. „Wir sind für unseren Kiez verantwortlich und diejenigen, die hier etwas ändern können“, sagt Cem.

Sozialarbeiter von den beiden Kreuzberger Jugendzentren Naunyn Ritze und Statthaus Böcklerpark fanden die Idee so gut, dass sie das Projekt „Protection 05“ daraus machten und die Jugendlichen zu Konfliktschlichtern ausbildeten. Das Kommunikationszentrum Mariannenplatz übernahm die Finanzierung des Lehrgangs: Im Februar begannen die Kurse für Kondition, Boxen und Fitness. Besuche bei der Polizei und beim Gericht standen ebenfalls auf dem Programm. Am 1. Mai waren die 18 Jugendlichen bestens vorbereitet: Sie bewachten die Bühnen des „Myfest“ – das Volksfest wurde 2004 ins Leben gerufen, um den Randalierern den Platz auf den Kreuzberger Straßen streitig zu machen. „Kein einziges Auto hat dort gebrannt“, sagt Projektleiter Joachim Hennig zufrieden.

Gestern wurde den jungen Kreuzbergern dafür der mit 1000 Euro dotierte zweite Preis des Mete-Eksi-Fonds verliehen – jedes Jahr vergibt die Gewerkschaft Jugend und Erziehung und der Türkischen Elternverein den Preis an zwei Berliner Projekte. Nach der Verleihung im DGB-Haus ist am Gedenkstein für Mete Eksi ein Kranz am Adenauerplatz niedergelegt worden. Der wurde mit 19 Jahren getötet, als er einen Streit zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft schlichten wollte. Der erste Preis ging an das Schülernetzwerk für Menschlichkeit und Toleranz (MuT) aus Marzahn und Hellersdorf, das gegen rechte Gewalt vorgeht und Schülerfahrten zu Konzentrationslagern organisiert. MuT erhält den Preis als Anerkennung für die Ausdauer, die die Schüler bewiesen haben – das Netzwerk gibt es schon seit 2003.

In Kreuzberg geht es den Sozialarbeitern nicht nur um den friedlichen 1. Mai: „Wir wollen auch gefährdeten jungen Menschen eine Perspektive bieten“, sagt Harald Kemppe von der Naunyn Ritze. Viele der Teilnehmer hätten Schule oder Ausbildung abgebrochen. Einige seien sogar vorbestraft. Cem ist schon einmal am Hauptschulabschluss gescheitert, versucht es gerade zum zweiten Mal. Den Kurs können die Jugendlichen mit dem „Schein für das Wach- und Schutzgewerbe“ abschließen, einem Zertifikat der Industrie- und Handelskammer. Eine Sicherheitsfirma hat angeboten, einige von ihnen einzustellen. Auch „Protection 05“ wird fortgesetzt: Im Februar beginnt ein neuer Lehrgang. Cem und seine Freunde aus der ersten Staffel wollen die Neuen begleiten.Trainer Ibrahim Vural, ehemaliger Boxer und seit 1974 Kreuzberger, ist stolz auf seine Truppe: „Diese Jungs und Mädchen sind die Zukunft von Kreuzberg.“

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