Berlin : Kiezstreifen bitten jetzt zur Kasse

Die Schonfrist ist vorüber: Mit ihren Anzeigen stoßen die Ordnungsämter aber nicht nur auf Zustimmung

Rainer W. During

Radfahrer, Hundehalter, Falschparker – die Wächter von der Kiezstreife müssen derzeit viel diskutieren. Denn die anfängliche Schonfrist ist vorüber, jetzt wird für viele Sünden abkassiert. Doch viele Menschen heißen die Kiezstreifen in den Parks und Straßen auch herzlich willkommen. „Den Leuten wird auf die Schulter geklopft“, sagt Heino Berg, Leiter des Ordnungsamtes in Treptow-Köpenick. Die Mehrzahl der Bürger wolle Sicherheit und Ordnung, mache deshalb keinen Unterschied zwischen den Kiezstreifen und der Polizei.

Die erste Zwischenbilanz fällt besser aus als erwartet: 80 Prozent der ertappten Sünder zahlen das Verwarnungsgeld. Der Rest diskutiert, wird auch schon einmal beleidigend und verweigert die Angabe der Personalien. Dann wird die Polizei gerufen, sagt Berg. Rund 200 Anrufe hat das Ordnungsamt gezählt, meist geht es um Beschwerden über Müll oder Lärm. Für die sechs zusätzlich zu den Polizeiabschnitten gebildeten Ordnungsbereiche soll demnächst jeweils ein Kontaktmitarbeiter benannt werden.

In Pankow scheint die Schonfrist noch nicht ganz abgelaufen: „Wir sind bisher sehr zurückhaltend mit Verwarnungsgeldern und versuchen, im Gespräch Verständnis zu erzielen“, sagt Hans-Joachim Berlin vom Ordnungsamt. Nur bei völlig uneinsichtigen Bürgern wurden bisher in einzelnen Fällen Verwarnungsgelder verhängt. Als „etwas schwierig“ erweist sich die Diskussion mit den Hundehaltern in den Parks. Zuweilen werden die Ordnungshüter aufgefordert, sich lieber um illegale Zigarettenhändler als um den Leinenzwang zu kümmern. „Für Straftaten bleibt aber die Polizei zuständig“, betont Berlin. Auch in Pankow beschweren sich die Menschen bei den Kiezstreifen über gefährliche Stellen, Müll und Lärm.

Ein weiteres Ergebnis der ersten Wochen: Fast niemand zahlt in bar, berichtet Amtsleiterin Elke Gassert in Spandau, wo seit dem 16. September zur Kasse gebeten wird. Also schreibt man Anzeigen und wartet auf die Überweisung. Neben freilaufenden Hunden in Grünanlagen ist das Wegwerfen von Abfällen und Zigarettenkippen der Hauptgrund zum Einschreiten. Zwei Drittel der Klienten zeigen Einsicht, bisher habe es nur eine ernsthaft-verbale Auseinandersetzung gegeben. 90 Prozent der bisher rund 180 Hinweise über das Bürgertelefon betrafen Schmutz und Autowracks. Geplant werden Schwerpunktaktionen gegen illegale Müllablagerungen.

In Tempelhof-Schöneberg haben die Kiezstreifen anfangs noch Tüten für die Hinterlassenschaften der Hunde verteilt, seit Montag sind für jeden Haufen 35 Euro fällig. Radfahrverbot und Leinenzwang in den Parks sind auch hier bisher die Hauptprobleme, die es durchzusetzen gilt. Auch in Lichtenberg zeigt die bisher einzige Doppelstreife bereits Wirkung: In den Parks steigen Radfahrer schon von Weitem freiwillig ab und die Hundebesitzer greifen flugs zur Leine, berichtet Ordnungsamts-Chef Wolfgang Mauermann.

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