Berlin : „Killer Boy“ schweigt vor Gericht

Kerstin Gehrke

Das „Abziehen“ hatte der Jugendliche zum Alltag gemacht: Mit dem 15-jährigen Ali G. (Name geändert) steht seit gestern einer der jüngsten Serientäter Berlins erneut vor Gericht. Der als Anführer der Jugendgang „Neuköllner Killer Boys“ bekannt gewordene Junge arabischer Herkunft muss sich für eine Serie von 35 Taten in der ersten Hälfte des vorigen Jahres verantworten. Nach Angaben seiner Verteidigerin hatte er in früheren Vernehmungen die meisten dieser Vorwürfe zugegeben. Im Prozess schwieg er.

Ali G. hatte allein oder mit wechselnden Komplizen in Bussen, U-Bahnhöfen oder auf der Straße andere Jugendliche überfallen, dabei Geld, Handys und MP3-Player erbeutet. 50 bis 70 junge Araber sollen zu den „Killer Boys“ gezählt haben. Das „Revier“ der Jugendbande war der Streifen östlich der Karl-Marx-Straße bis zum Landwehrkanal. Ali G. hatte sich nach Erkenntnissen der Ermittler selbst als Gründer und Chef der Neuköllner Gang gesehen. Nach seiner Festnahme im Mai 2006 war von mehr als 70 Überfällen die Rede, an denen er beteiligt gewesen sein soll.

Ali war erst 14 Jahre alt, als er im Dezember für 28 Taten – darunter Raub, räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung – zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt wurde. Den größten Teil der Vorwürfe hatte er damals zugegeben. Im jetzigen Prozess sei eine Aussage zu einem späteren Zeitpunkt geplant, sagte die Verteidigerin am Rande des nichtöffentlichen Prozesses. Ali sei einsichtig und habe inzwischen auch begriffen, dass er sein Leben ändern müsse. Es sei aber noch „einige Arbeit mit ihm zu leisten“. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Kerstin Gehrke

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