• Kind allein gelassen: Mutter vor Gericht Siebenjähriger durfte ins Kaufhaus und war zwei Tage verschwunden

Berlin : Kind allein gelassen: Mutter vor Gericht Siebenjähriger durfte ins Kaufhaus und war zwei Tage verschwunden

Jörn Hasselmann

Die Mutter von Norbert, die den Jungen unbeaufsichtigt zum Spielen mit Computern fahren ließ und der zwei Tage verschwunden war, muss vor Gericht. Die Polizei will ihre Ermittlungen gegen Tatjana Fromm wegen Verletzung der Fürsorgepflicht in diesem Monat abschließen und die Akten der Staatsanwaltschaft übergeben. Dies erfuhr der Tagesspiegel im Landeskriminalamt. Am 25. November war der siebenjährige Norbert alleine zum Computerspielen in ein Kaufhaus am Alex gefahren. Dort war Norbert, wie berichtet, von einem 17-Jährigen angesprochen und in das Heim, in dem dieser lebte, mitgenommen worden. Zwei Nächte hatte der Jugendliche Norbert versteckt. Zu sexuellen Übergriffen kam es nicht. Durch Zufall war der Junge von einem Betreuer des etwas zurückgebliebenen Sven entdeckt worden.

Norbert war damals regelmäßig alleine abends mit der S-Bahn von Tiergarten zum Alex gefahren, um mit Computern zu spielen. Dort war der Junge gut bekannt. Als Vorgabe hatte Norbert nur eines auf den Weg bekommen: Rückkehr bis 20.30 Uhr.

Das Verhalten der Mutter ist eine Straftat, sagen die Ermittler. „Kinder in dem Alter darf man abends nicht alleine durch die Stadt fahren lassen. Jede Mutter hat doch im Hinterkopf, dass sich Sexualstraftäter Kinder von der Straße holen.“ Oder aus den Spielecken der Kaufhäuser. „Das sind beliebte und bekannte Stellen für Pädophile“, sagte ein Beamter. Die Polizei hat eine Reihe Zeugen befragt, darunter Erzieher aus dem Hort und die Lehrer aus der Schule.

„Verletzung der Fürsorgepflicht“ ist eine Straftat, die mit Haft- oder Bewährungsstrafe, aber auch mit Geldstrafe geahndet werden kann. Eine Haftstrafe müsse Norberts Mutter sicher nicht fürchten, hieß es bei der Polizei. Aber: „Ein Siebenjähriger ist ein kleines Kind.“

Tatjana Fromm sieht das anders. „Norbert ist ein sehr aufgeweckter Bursche und hat den Verstand eines Zehn- oder Elfjährigen“, sagte sie dem Tagesspiegel. „Ich bin auch mit sieben bis zehn Jahren alleine mit dem Bus zur Tanzschule gefahren“, erinnert sich die in Moskau geborene Frau 30 Jahre zurück – „zehn Haltestellen weit mit dem 185er“. Solche Sätze kennt die Kripo: „Viele Eltern haben von ihren Eltern kein anderes Verhalten kennen gelernt.“ „Ich habe keine Angst“, sagt Tatjana Fromm. Nur vor einem: Wenn das Jugendamt den Erstklässler zu Pflegeeltern gibt: „Dann spring ich vom Balkon!“

Alleine zum Computerspielen war er seitdem nie mehr, versichert die 39-Jährige, mit Norbert habe sie jedoch im Kaufhaus versucht, den 17-jährigen Sven zu treffen – vergebens. „Sven kann immer zu uns kommen“, sagt Tatjana Fromm.

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