Berlin : Kind überfahren – Prozess erneut vertagt

Die Ampel stand für den Renault-Fahrer auf Grün. Er fuhr auch nicht zu schnell. Plötzlich aber rannte ein sechsjähriger Junge trotz roter Fußgängerampel los. Der Renault-Fahrer konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. „Ich habe das Kind im fließenden Verkehr wirklich nicht gesehen“, beteuerte der 52-Jährige gestern auf dem Gerichtsflur. „Es tut mir sehr leid.“ Zum zweiten Mal war er gekommen, um sich dem Verfahren um fahrlässige Tötung zu stellen. Der Prozess aber wurde erneut vertagt.

Der Handwerker aus Charlottenburg war am frühen Abend des 30. September 2006 auf dem Heimweg. Auf der Neuen Kantstraße geschah die Tragödie. Der vom Renault erfasste Junge kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, konnte aber nicht mehr gerettet werden. Die Staatsanwaltschaft geht nun davon aus, dass der Handwerker den Jungen an der Ampel wahrgenommen, sich jedoch „nicht auf etwaiges Fehlverhalten des Kindes“ eingestellt habe. Der Autofahrer hätte also laut Anklage angesichts des kleinen Jungen am Straßenrand bremsbereit sein müssen.

Hätte der 52-Jährige den Unfall tatsächlich vermeiden können? Die Schuldfrage ist schwierig. Der erste Prozessanlauf war abgebrochen worden, weil das Verkehrsgericht die Frage nach den damaligen Sichtverhältnissen von einem Sachverständigen klären lassen wollte. Nun fehlte eine wichtige Augenzeugin: die Großmutter des Jungen. Ein neuer Verhandlungstermin steht noch nicht fest. K. G.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben