Kinder bestehlen Touristen : Neuer Ganoventrick: 80 Anzeigen im August

Polizisten haben am Alexanderplatz sieben Kinder und Jugendliche festgenommen, die Touristen bestohlen haben.

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Die 11- bis 18-jährigen Rumänen haben sich dabei als Taubstumme ausgegeben, die Spenden für soziale Projekte sammeln. Den Spendern wurden anschließend Geldbörsen und in einem Fall ein moderner Tablet-PC entwendet. Das Präsidium nennt diese neue Masche „Sammelschwindel“. Diese sei zwar seit längerem bekannt, in diesem August aber „heftig angestiegen“, sagte die Leiterin des zuständigen Fachkommissariats, Birgit Spier. Im abgelaufenen Monat August habe es 80 Diebstahlsanzeigen mit diesem Modus gegeben. In allen Fällen seien selbst gemachte „Spendenlisten“ vorgezeigt worden, so sei zum Beispiel für eine „Begegnungsstätte von Behinderten und Nichtbehinderten“ geworben worden. Taubstumm oder behindert sei keiner der Festgenommenen gewesen.

Am Montagnachmittag hatten fünf Kinder mit diesem Trick die Geldbörse aus der Handtasche einer 17-jährigen Touristin gestohlen. Am Dienstag wurde einer 54-jährigen Besucherin von drei Jugendlichen der Tablet-PC von einem Restauranttisch gestohlen, während ihr eine nachgemachte Spendensammelliste vorgelegt wurde. Am Mittwoch wurde mit diesem Trick einer 15-jährigen Touristin das Portemonnaie aus ihrer Umhängetasche entwendet. Dieses wurde bei einem festgenommenen Kind wiedergefunden.

Alle Festgenommenen stammen aus Rumänien und sind in Berlin nicht gemeldet. Nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung wurden die Minderjährigen ihren Eltern übergeben, auch der 18-Jährige wurde auf freien Fuß gesetzt. Haftbefehle gab es nicht.

Die Zahl der angezeigten Taschendiebstähle steigt seit 2009 deutlich an. 2011 hatte es über 15 000 Taten gegeben. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es erneut einen Zuwachs um 23 Prozent. Touristen sind nach Angaben der Polizei wegen „ihrer Sorglosigkeit willkommene Opfer“. Die Dunkelziffer wird als hoch eingeschätzt, da viele Opfer aus Zeitmangel oder Unkenntnis auf eine Anzeige verzichten dürften.

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