Berlin : „Kinder brauchen mehr als Nahrung“

Im FEZ können die Jüngsten Erfahrungen fürs Leben sammeln – in ihrer eigenen Welt

Carolin Jenkner

An diesem Tag ist Dana Moch Forscherin und lebt im 18. Jahrhundert. Die Sechsjährige sitzt auf einem roten Teppich im „Berliner Salon“, hält ihr Forscherbuch in der Hand, und hört der Salondame zu, die von Alexander von Humboldt erzählt. Dann heißt es für die Kinder selbst forschen und erleben: Sie reisen zu den Inkas, graben Dinosaurierknochen aus und stellen ihre Funde anschließend im Naturkundemuseum aus.„Ganz toll!“ lautet Danas knappes, aber überzeugtes Urteil. Ihr gefällt das Ferienspiel „Mit Humboldt die Welt entdecken“ im Freizeit- und Erholungszentrum Berlin (FEZ) an der Wuhlheide.

Rund eine Million Menschen besuchen das FEZ jedes Jahr. Es ist das größte gemeinnützige Kinder-, Jugend- und Familienzentrum Europas. Kindern Erlebnisse zu verschaffen, die fürs Leben prägen – das ist seit 28 Jahren der pädagogische Ansatz. „Kinder brauchen nicht nur Nahrung, Kleidung und eine Wohnung“, sagt Pressesprecherin Marion Gusella. „Damit sie Mensch werden können, brauchen sie Bildung, eine Auseinandersetzung mit der Welt im Spiel und schöne, emotionale Erlebnisse.“

Diesem Anspruch wird das FEZ mit unterschiedlichen Angeboten gerecht. Neben der Schwimmhalle, den vielen Spielplätzen, einer Kletterwand und der Landesmusikakademie stehen Kulturangebote und kreatives Spiel im Mittelpunkt der Arbeit – das alles zu familienfreundlichen Preisen, denn das FEZ will alle sozialen Schichten der Gesellschaft erreichen. Die Idee: Als Kind muss man lernen, was Kultur ist, damit man als Erwachsener ins Theater geht. Das ist der sinnliche Teil. Hinzu kommt der rationale: Auch ein Verständnis für Technik können die Kinder im FEZ erlernen. Und sie sollen selbst mitwirken und Verantwortung übernehmen – wie die sechsjährige Dana, die selbst Dinosaurierknochen ausbuddelt und sorgfältig ihr Forscherbuch ausfüllt.

„Diese Art von Bildung vermittelt eine andere Art von Selbstbewusstsein“, sagt Marion Gusella. „Das gibt es in der Schule nicht.“ Die Kinder sollen ihre Fähigkeiten entdecken und schätzen lernen, sei es im Tanzkurs, beim Modelleisenbahnbau oder beim Singen. „Erlebnisorientiertes Lernen“ nennt Marion Gusella das. Man könnte es auch unsichtbares Lernen nennen, denn in erster Linie soll es ja Spaß machen. Dass dann auch noch etwas hängen bleibt, ist wohl der positive Nebeneffekt.

Katrin Moch, Danas Mutter, kommt mit ihren drei Kindern häufig ins FEZ. Dana besucht hier einen Schwimmkurs, und wenn es interessante Veranstaltungen gibt, geht sie nicht in den Kindergarten, sondern ins FEZ. „Hier gibt es immer tolle Angebote für Kinder jedes Alters“, sagt Katrin Moch. Am Morgen war eine Theatergruppe aus dem schwedischen Vimmerby zu Gast auf der Astrid-Lindgren-Bühne und hat „Pippi Langstrumpf“ aufgeführt. „Am schönsten war das Singen und Tanzen“, erzählt Dana, „und dass Pippi mir die Hand gegeben hat.“ 2007 ist im FEZ „Astrid-Lindgren-Jahr“, denn die schwedische Kinderbuchautorin wäre im November 100 Jahre alt geworden. Theaterstücke und Konzerte rund um Michel, Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter werden aufgeführt.

Ein wichtiges Anliegen ist Marion Gusella auch die internationale Arbeit des FEZ. „Wir sagen nicht nur: Wir wollen ein neues Europa“, erläutert sie, „sondern wir wollen die Welt verstehbar machen und emotional vermitteln.“ Dafür veranstaltet das FEZ Länderwochen, in denen die Familien fremde Kulturen kennenlernen und Delikatessen aus dem Ausland probieren können.

Wohl jedes Berliner Kind dürfte schon mindestens einmal im FEZ gewesen sein. Denn viele Schulen und Kitas nutzen das Zentrum als außerschulische Bildungsstätte. Und vielleicht hat Marion Gusella bei ihnen am Ende auch ihr pädagogisches Ziel erreicht: Kinder zu mündigen Bürgern erziehen, die die Gesellschaft, in der sie leben, verstehen lernen und mitgestalten.

Weitere Informationen im Internet:

www.fez-berlin.de

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