Berlin : Kinder dürfen hier nicht rein

Jörg Oberwittler

Es sollte etwas ganz Besonderes werden: Im „Café Zeitlos“ in der Franklinstraße in Charlottenburg wollte Nina Ludwig den Junggesellinnenabschied einer Freundin begießen. Rauchfreier Palmengarten, Hollywoodschaukeln, aufgeschütteter Sand und Cocktails versprachen einen gemütlichen Spätnachmittag für die 29-jährige Mutter, die ihre vier Wochen alten Zwillinge kurzerhand mitgenommen hatte. Doch am Eingang wurde diePotsdamerin vom Türsteher schroff abgewiesen: „Sie dürfen hier nicht rein.“

So wenig Kinderliebe habe sie „eiskalt erwischt“, erzählt Nina Ludwig. Ihre zehn Freundinnen waren ebenfalls empört. Doch der Kellner habe nur abgewunken, erzählt Nina Ludwig. Wenn man sie reinlasse, dann habe er morgen „50 Muttis mit Kinderwagen vor der Tür“. Geschäftsführerin Carrie Gerlach bestätigt, sie habe oft schlechte Erfahrungen mit Familien gemacht, etwa dass Kinder im aufgeschütteten Sand spielen und sich an Scherben schneiden oder dass sie unbeaufsichtigt durch die Bar toben. „Wenn etwas mit Kindern passiert, können wir das nicht verantworten.“ Deshalb mache sie vom Hausrecht Gebrauch: „Von null bis 18 Jahren ist bei uns kein Einlass – ohne Ausnahme.“

Auch Klaus-Dieter Richter, Vizepräsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes sieht das Recht eindeutig auf Seiten der Cocktailbar. „Es gibt kein Recht des Gastes, ein Lokal betreten zu dürfen.“ Dennoch sei der Fall außergewöhnlich. „Es ist nicht gang und gäbe, dass so etwas in Berlin passiert. Wir sind eigentlich eine kinderfreundliche Stadt.“ Den Vorfall selbst wollte er nicht bewerten. Gleiches gilt für die Berlin Tourismus GmbH. Sprecher Christian Tänzler sind keine Beschwerden über unfreundliche Bedienungen oder Einlassverbote für junge Familien bekannt. Alex Jakob, Sprecherin des Kinderschutzbundes, nannte den Fall hingegen „skandalös“. Dass die Mutter nicht in die Bar gelassen wurde, „zeigt wieder, wie wenig Familien mit Kindern in der Gesellschaft akzeptiert sind“.

Ins „Café Zeitlos“ will Frau Ludwig nie wieder gehen. Die Frauen zogen sofort die Konsequenzen: Sie ließen ihre Cocktails in Plastikbecher umfüllen und feierten beim Italiener um die Ecke weiter. „Da fühlten wir uns auch mit Kindern willkommen.“

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