Berlin : Kinder, Elefanten und Indianer

Tausende Besucher beim offenen Tag von Abgeordnetenhaus und Bundesrat

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Mit Hüpfburg und Bühnenprogramm der Sportjugend hatte gestern der traditionelle Tag der offenen Tür im Abgeordnetenhaus und Bundesrat fast Volksfestcharakter. Dort einmal ungeniert durch die ehrwürdigen Gänge und Säle des ehemaligen Preußischen Landtages zu wandeln oder sich gezielt führen zu lassen, das zog gestern auch diesmal wieder tausende Berliner an, darunter auch ganze Familien. Nicht nur, weil man in dem riesigen Gebäudeareal dabei nicht hungern und dürsten muss, sondern – wie gestern – rumänische, bulgarische und schleswig-holsteinische Spezialitäten genießen kann. Vor allem aber, weil man auch seinem Herzen Luft machen kann. Beispielsweise in der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses. Dort gab gestern Mittag der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gut gelaunt, gebräunt und erholt nicht nur pausenlos Autogramme, sondern beantwortete auch Volkes Fragen. Seine schnellen Antworten waren dabei deutlich leichter als die wachsende Last in den Beuteln der Sammler und Jäger. Die Fraktionen im Abgeordnetenhaus jedenfalls geizten nicht mit kleinen Geschenken. „Hast du schon den Kugelschreiber von der SPD“, fragte ein junger Mann seinen Kumpel, „den finde ich lustig“. Die CDU lockte mit Orangen, weil Berlin Vitamine braucht, und bei der FDP grapschte sich eine Frau gleich eine Hand voll gelbblau eingewickelter Bonbons – „das muss den ganzen Tag reichen“.

„Der mit dem Lautsprecher in der Hand ist der Momper“, erklärte gerade im Casino des Preußischen Landtages ein älterer Berliner zwei jungen Leuten das Bild „Die Öffnung der Berliner Mauer“ von Matthias Koeppel, während dieser leibhaftig als Präsident des Abgeordnetenhauses im Plenarsaal die Gesprächsrunde zu aktuellen politischen Themen mit den Fraktionsvorsitzenden eröffnete. Dass deren Treffen „Elefantenrunde“ genannt werde, habe nichts mit deren Gewicht oder Bedeutung zu tun, sagte Walter Momper launig, sondern mit dem ebenso langem Gedächtnis von Politikern.

Wer anschließend weiter zum Bundesrat wandelte, konnte dort zwar keine Werbegeschenke mit nach Hause nehmen, dafür aber, wenn er Glück hatte, einen einmaligen Anblick: Peter Harry Carstensen – Bundesratspräsident und Ministerpräsident von Schleswig-Holstein — präsentierte sich mit den Insignien seiner neuesten Funktion, einem prächtigen indianischen Kopfputz. Wurde Carstensen doch gestern zum Ehrenhäuptling der Karl-May-Festspiele von Bad Segeberg ernannt. hema

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