Kinder-Elend : Polizei befreit Elfjährige aus verdreckter Wohnung

Erneut ist in Berlin ein Fall von Kinder-Verwahrlosung bekannt geworden. Im Bezirk Reinickendorf entdeckte die Polizei ein elfjähriges Mädchen in einer unbeheizten, verdunkelten und verdreckten Wohnung.

Berlin - Die spärlich möblierte Wohnung sei am Donnerstag in einem katastrophalen hygienischen Zustand gewesen, teilte ein Behördensprecher am Freitag mit. Das Mädchen habe aus Angst vor dem Freund ihrer 18-jährigen Schwester die Polizei gerufen. Die Schwester sollte sich in Abwesenheit der Mutter um die Elfjährige kümmern. Ein Sohn der Mutter befindet sich bereits in staatlicher Obhut.

Die Elfjährige hatte sich in der Wohnung eingeschlossen, weil sie sich laut Polizei nicht mit ihrer großen Schwester verstand. Deren 20 Jahre alter Freund drohte, die Tür einzutreten. Nach Angaben der Polizei waren die Zimmer unbeheizt und die Jalousien so heruntergelassen, dass das Mädchen sie nicht alleine öffnen konnte. Die einzige Waschgelegenheit sei die Spüle in der Küche gewesen, in der sich schmutziges Geschirr stapelte. Getränke und Lebensmittel seien nicht vorhanden gewesen. Die Polizeibeamten brachten das Mädchen zum Kindernotdienst und alarmierten sofort das Fachkommissariat für Kindesmisshandlung.

Unterdessen arbeitete die Mutter in einem Lokal. Als sie die Beamten aufforderten, nach Hause zu kommen, habe sie dies mit einer lakonischen Bemerkung abgelehnt, hieß es weiter. Die 40 Jahre alte Frau ist der Polizei bereits bekannt. Gegen sie läuft bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht. Das Jugendamt Reinickendorf hatte ihren älteren Sohn in diesem Jahr anderswo untergebracht.

Erst vor zwei Wochen waren zwei verwahrloste kleine Jungen aus Spandau in staatliche Obhut genommen worden. Bereits im November war ein Säugling zu Tode geschüttelt worden. Ein weiteres Kleinkind erlitt durch Schütteln schwere Verletzungen. (tso/dpa)

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