Berlin : Kinder in Bewegung – ohne zu turnen

Wie der Landessportbund in Pankow an der Übernahme eine bezirklichen Kita scheiterte

Constance Frey

Manja Ehweiner hat aufgegeben. Nach montelangem Hin und Her sollen ihre Kinder zum 1. Januar 2006 die Kita wechseln. Dabei sind sie erst vor wenigen Tagen in ihrer neuen Einrichtung angekommen. Rund 40 Kinder müssen das Kinderhaus Regenbogen in der Hanns-EislerStraße 82/84 in Pankow wieder verlassen. Damit endet ein monatelanger Kampf von Eltern um ihr Kita-Konzept.

Begonnen hat alles mit der Kitareform. Eine ihrer Auflagen sieht vor, rund zwei Drittel der bestehenden Tagesstätten an freie Träger zu übergeben. Das Bezirksamt Pankow sah sich deshalb nach passenden Kitas zur Übertragung um – und stellte fest, dass nicht genug Kinder da sind, um die beiden vorhandenen Kitas zwischen der Thomas-Mann Straße und der Hanns-Eisler-Straße zu betreiben. Das war auf der einen Seite die „Prenzelberger Sportkids“ mit sportorientiertem Konzept, das die Eltern mitgestaltet hatten. Auf der anderen Seite das Kinderhaus Regenbogen, eine Einrichtung für 110 Kinder, in der noch Plätze frei waren.

Der Bezirk beschloss Dezember 2004, die Sportkita zu schließen und die Kinder im Haus Regenbogen unterzubringen. Gleichzeitig sollte das Kinderhaus an einem freien Träger übergehen. Es gab einen Interessenten, „Kinder in Bewegung“, den Kita-Träger des Sportbundes Berlin. Für die Eltern der Sportkita war das eine akzeptable Lösung. Ihre Kinder würden zwar umziehen, aber wieder in eine sportbetonte Einrichtung. Aber die Sache hatte einen Haken: Der Bezirk hatte 740000 Euro für die Abarbeitung der gröbsten Mängel in der Kita veranschlagt. „Kinder in Bewegung“ ließ einen Gutachter kommen. Der stellte fest, das weitere 300000 bis 400000 Euro nötig seien. Das war dem Träger zu teuer, er stieg aus. „Wir hätten jahrelang unserer Geld nur in dieses Gebäude stecken müssen“, sagt Geschäftsführer Bernd Wille.

Für die Einrichtung sucht der Bezirk jetzt weiter nach einem freien Träger. Findet sich keiner, geht das Haus zum 1. Januar 2006 in den Eigenbetrieb über.

Die Eltern der aus der Sport-Kita umgezogenen Kinder versuchten, mit der Leiterin des Regenbogenhauses auch ohne Sportbund ein sportorientiertes Konzept zu planen, doch konnte man sich nicht einigen. Außerdem gab es in der Regenbogen-Kita nach Auskunft der Eltern immer wieder Reibereien mit der Leitung, zuletzt ging es um die neuen Räume der Kinder, die nur auf Druck der Eltern gestrichen wurden.

Manja Ehweiner hofft, dass die Odyssee für ihre Kinder nun in einer renovierten Kita in der Jablonskistraße endet, die im Januar eröffnet. „Dort gibt es eine engagierte Leiterin, die an unseren Vorschlägen interessiert ist.“

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