Berlin : Kinder müssen im Kiez bleiben: BVG streicht das Schul-Ticket

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Die BVG schafft das Schul-Ticket, mit dem Klassen an Ausflugsorte und in Museen fahren konnten, zum neuen Schuljahr ab. Der Schulstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Michael Schäfer (CDU), protestiert: „Wir konnten große Schülerzahlen mit der BVG bewegen. Ihre Umwelt kennen zu lernen, hat für die Entwicklung der Kinder eine große Bedeutung.“ Mangelnde Mobilität sozial schwacher Familien ist ein Grund für die Sprachlosigkeit von Schulanfängern, stellte das Landesschulamt jetzt bei der Sprachstandserhebung fest.

In Kreuzberg und anderen Problembezirken gibt es Kinder, die noch nie aus ihrem Kiez herausgekommen sind. Ihre Eltern haben kein Geld und keine Kraft, ihnen die Stadt zu zeigen. Ein Modellprojekt von Grundschulen und BVG sollte helfen: Seit 1999/2000 gab es die Schul-Tickets. Jedes Kind zahlte pro Jahr 7,50 Euro und konnte dann mit seiner Klasse losfahren.

„Die Streichung ist für uns ein Riesenproblem“, sagt der Leiter der Kreuzberger Hunsrück-Grundschule, Mario Dobe. Beim Unterricht an anderen Lernorten steige die Motivation. „Wenn ein Museumspädagoge im Museum für Vor- und Frühgeschichte spannende Dinge kindgerecht, aber in deutscher Hochsprache erklärt, hilft uns das sehr“, sagt Dobe. Stadtrat Schäfer will Schulsenator Böger und Verkehrssenator Strieder (beide SPD) mobilisieren, um die BVG doch noch umzustimmen. Der Bezirkspolitiker vermutet Sparzwänge als Hintergrund der Streichung. „Die BVG spart an einer Gruppe, die keine Lobby hat, und der Senat spart die Zuschüsse für das Schul-Ticket.“

Bei der BVG heißt es, das Ticket werde abgeschafft, „weil sich das Ganze nicht gerechnet hat.“ Sprecherin Barbara Mansfield klagt, dass nur 30 Grundschulen das Ticket gekauft hätten. Alternativ biete man den Schulen jetzt eine Gruppentageskarte für zwei Euro pro Person an. „Viel zu teuer“, sagt Stadtrat Schäfer. Eine Klasse unternehme bis zu neun Fahrten pro Schuljahr. Die Eltern wären nicht bereit und oft auch finanziell nicht in der Lage, Einzelfahrten zu bezahlen.

Zille-Schulleiterin Inge Hirschmann fürchtet unter anderem um „den Projektunterricht im Technikmuseum oder in der Nationalgalerie, Konzertbesuche mit dem Theater der Schulen, Kanufahren in Treptow“. -ry

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