Kinder und Hunde : Note Eins im Ohrenkraulen

Die „Helfer auf vier Pfoten“ gehen mit ihren Hunden in Kitas und Schulen. Sie nehmen Kindern die Angst vor Hunden und geben Tipps zum Umgang mit den Tieren.

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Kuschelpädagogik.
Kuschelpädagogik.

Zwanzig kleine Hände fassen Gipsys schwarzes Fell an, streicheln der Mischlingshündin über den Kopf, tätscheln ihr den Rücken. Gipsy, ein tiefenentspanntes Tier, lässt sich von den aufgeregten Streichlern nicht aus der Ruhe bringen. „Sie liebt Kinder“, sagt ihre Besitzerin Barbara Meyer. Für ihren Job muss Gipsy das auch: Sie ist Besuchshund der Aktion „Helfer auf vier Pfoten“, für die bundesweit Teams aus Hund und Mensch in Kitas und Schulen gehen. „Kinder sollen spielerisch an den Umgang mit Hunden, insbesondere mit fremden, gewöhnt werden“, sagt Barbara Meyer, die Koordinatorin der Aktion für Berlin ist. Sie sollen lernen, respektvoll mit Tieren umzugehen und keine Angst vor ihnen zu haben.

Heute sind Gipsy und Hansi, eine kleine französische Bulldogge, zu Gast in einer vierten Klasse der Bernhard-Grzimek-Grundschule in Lichtenberg. Die zehn Jahre alte Lisa findet das toll, sie selbst hat nur ein Meerschweinchen. Daniel hingegen weiß noch nicht, was er von der ganzen Sache halten soll: „Hunde machen mir Angst“, sagt er und setzt sich vorsichtshalber auf seine Hände.

Erzieher Mathias Karbaum hatte im Fernsehen von den „Helfern auf vier Pfoten“ gehört und sie seiner Schulleitung empfohlen. Für zwei Klassen der Schule waren die beiden Hunde und ihre Besitzerin bisher da, eine dritte steht schon auf der Warteliste. Drei Mal kommen Gipsy und Hansi jeweils in die Klassen. Die Kinder sitzen im Stuhlkreis um die beiden Hunde herum, es geht um die „goldenen Regeln“: Behandle den Hund, wie du selbst behandelt werden möchtest, und ziehe ihn nicht an den Ohren. Streichle ihn nur, wenn es der Besitzer erlaubt hat. Und laufe nie vor einem Hund davon: „Er ist in jedem Fall schneller!“, warnt Barbara Meyer.

Die Kinder hören zu – aber das Wichtigste ist natürlich, Gipsy und Hansi auch mal anzufassen und ein bisschen mit den Hunden zu schmusen. Viele Kinder hier kommen aus einem schwierigen sozialen Umfeld, mehr als die Hälfte ist lernmittelbefreit, die Eltern bekommen also Hartz IV. „Die Kinder kennen das oft gar nicht, Tiere zu Hause zu haben“, sagt Karbaum. Enstprechend wenig wissen sie darüber, wie sie ihnen begegnen können.

Barbara Meyer und Gipsy gehen schon seit sechs Jahren in Kitas und Schulen, allein dieses Schuljahr waren sie schon bei fast 300 Kindern. Meyer, die früher bei der Polizei gearbeitet hat, ist meistens zwei Mal die Woche unterwegs. Fast jeden Tag organisiert sie außerdem Besuche der anderen fünf Helfer in Berlin. Gesponsert wird die Aktion von einem Tierfutterhersteller – die Mitarbeiter jedoch engagieren sich allesamt ehrenamtlich.

„Ich bin einfach total begeistert von dem Projekt“, sagt Barbara Meyer: Hyperaktive Kinder kommen durch die Hunde zur Ruhe, panische verlieren die Angst. Momentan allerdings kann Meyer kaum alle Nachfragen bedienen. Daher suchen die „Helfer auf vier Pfoten“ dringend Verstärkung. „Voraussetzung ist ein kinderlieber Hund mit Hundeführerschein und Zeit am Vormittag“, sagt Meyer. Eine Prüfung allerdings müssen die Teams bestehen, bevor sie loslegen dürfen.

Die Kinder haben die Stunde mit Gipsy und Hansi derweil genossen und dürfen die Hunde zur Belohnung nun kraulen und streicheln. Auch Daniel, der zu Anfang etwas ängstlich war, ist Gipsys Charme erlegen und hat sich getraut, den großen Hund anzufassen. „Es hat nur ein bisschen gekitzelt“, sagt der Junge stolz.

Infos zu „Helfer auf vier Pfoten“: www.helfer-auf-vier-pfoten.de

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