Berlin : Kinder vor Missbrauch schützen

Charité erhält mehr Geld für Pädophilen-Projekt

Liva Haensel

Die Charité wird Männern, die gegen ihre pädophile Neigung ankämpfen, auch künftig ihre Hilfe anbieten können: Nachdem die Volkswagenstiftung dem Institut für Sexualwissenschaft 213 000 Euro gesponsort hat, ist das Projekt „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld“ für die nächsten drei Jahre gesichert. Das Geld will das Team nicht nur für die Therapie der Pädophilen anlegen. „Wir werden jetzt weitere Forschungsfelder angehen“, sagt Diplompsychologin Janina Neutze. Beispielsweise wollen die Wissenschaftler die Frage lösen, welche Rolle Kinderpornographie in der Pädophilen-Szene spielt.

„Lieben sie Kinder mehr als ihnen lieb ist?“ – mit diesem Plakat-Slogan machte das Projekt auf sich aufmerksam, als es vor zwei Jahren an den Start ging. In der Therapie, die bisher rund 30 Männer abgeschlossen haben, treffen sich die Teilnehmer ein Jahr lang einmal wöchentlich für drei Stunden. „Wir wenden uns nicht an Menschen, die bereits wegen ihrer Tat verurteilt wurden, sondern an solche, die aus dem sogenannten Dunkelfeld kommen und uns freiwillig kontaktieren“, sagt Neutze. Dass das bundesweit einmalige Projekt dringend gebraucht wird, beweist die lange Warteliste: Eine gerade auslaufende und zwei neue Gruppen mit jeweils sechs bis zwölf Männern betreut das Team – 150 Menschen hoffen derzeit auf einen Therapieplatz (Informationen unter www.kein- taeter-werden.de). Die Anfragen kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Auch das Bundesjustizministerium unterstützt das Präventionsprogramm mit 250 000 Euro pro Jahr.

In Deutschland kommt es jährlich zu 15 000 Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs, doch die Dunkelziffer gilt als weitaus höher. Trotz der hohen Opferzahlen gibt es für Wissenschaftler noch viele offene Fragen zum Thema Pädophilie. Deshalb hat das Charité-Team seit 2005 Fragebögen seiner Patienten gesammelt. „Wir werten die Studie aus und untersuchen zum Beispiel, warum einige Männer zu Tätern werden und andere wiederum nicht – obwohl beide Gruppen Kinder sexuell anziehend finden“, sagt Neutze. Kinderpornographie sei zudem in Deutschland noch völlig unerforscht. Denn nicht alle Pädophilen blättern in verbotenen Heften oder laden sich im Internet Bilder herunter. „Auch darüber wollen wir mehr wissen.“ Liva Haensel

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