Kinderbetreuung : Qualitätsoffensive: Zeugnisse für alle Berliner Kitas

Bis 2015 sollen alle 2200 Berliner Kitas inspiziert werden, 400 wurden bereits geprüft. Die Ergebnisse werden nicht veröffentlicht, Eltern können sie aber erfahren.

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Senatorin Sandra Scheeres schaut zu, wie ein Erzieherin mit Kindern eines INA-Kindergartens singt.
Senatorin Sandra Scheeres schaut zu, wie ein Erzieherin mit Kindern eines INA-Kindergartens singt.Foto: dpa

Eine Milliarde Euro lässt Berlin sich seine Kinderbetreuung pro Jahr kosten. Aber was bieten die Kitas für ihr Geld? Dieser Frage gehen seit 2010 externe Prüfer im Senatsauftrag nach. Inzwischen wurde jede fünfte Kita inspiziert, bis 2015 sollen alle 2200 Berliner Kitas einmal Rechenschaft über die Qualität ihrer Arbeit abgelegt haben. Am Montag wurden erstmals Zwischenergebnisse vorgestellt.

Zwei Drittel der 400 bisher besuchten Kitas haben als Konsequenz aus den Prüfberichten konkrete Ziele formuliert, mit denen sie ihre pädagogische Qualität verbessern können. Die Verbesserungsvorschläge betreffen vor allem die Raumgestaltung, die Eltern- und Projektarbeit sowie die Beobachtung und Dokumentation dessen, was das einzelne Kind in der Kita lernt oder beschäftigt. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Umgang mit dem Sprachlerntagebuch, das die Erzieherinnen seit 2005 verbindlich mit den Kindern führen müssen.

Hier liegt allerdings in den Augen von Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) ein wunder Punkt der großen Qualitätsoffensive. Scheeres kritisierte am Montag, dass die Sprachlerntagebücher wegen Bedenken des Datenschutzbeauftragten nicht automatisch von der Kita an die Grundschule weitergegeben werden dürfen. Die Grundschulen beklagen, dass sie deshalb erst mal mühselig herausfinden müssen, wo die Kinder stehen und welchen Förderbedarf sie haben.

Sie wolle in dieser Sache einen neuen „Vorstoß“ beim Datenschutzbeauftragten Alexander Dix machen, kündigte Scheeres am Montag an. Dessen Sprecher Joachim-Martin Mehlitz reagierte darauf mit der Feststellung, dass die Schulen diese Tagebücher „nicht brauchen, weil sie ja auf die Ergebnisse der standardisierten Sprachstandserhebungen zurückgreifen können“. Die Sprachlerntagebücher brächten den Schulen „keinen Erkenntnisgewinn“, sagte Mehlitz.

Ein Ranking ist mit Hilfe der Kita-Inspektionen bisher weder beabsichtigt noch möglich. Die Ergebnisse werden nicht veröffentlicht, müssen allerdings den betroffenen Eltern zur Verfügung gestellt werden, erläuterte die Leiterin des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung, Christa Preissing. Sie kann auch nicht sagen, wie viele der 400 bislang untersuchten Kitas den Ansprüchen genügen und das Berliner Bildungsprogramm umsetzen.

Da zu Anfang erst einmal die Kitas untersucht wurden, die sich freiwillig meldeten, geht man davon aus, dass es sich eher um die ambitionierten handelt, die mit ihrer Arbeit den Qualitätsstandards schon jetzt genügen. Wenn eine Kita komplett versagt und es nicht schafft, ihre Arbeit zu verbessern, können dem Träger die Zuschüsse gestrichen werden. Einen solchen Fall habe es bislang aber noch nicht gegeben, sagte Preissing.

Wie wichtig eine regelmäßige Evaluation ist, machte die Senatorin deutlich, indem sie auf den rasanten Ausbau der Kita-Landschaft verwies. Schon jetzt gibt es rund 1000 Kita-Träger, und es werden immer mehr. Scheeres verweist darauf, dass bis Sommer 2013 der Kita-Anspruch bereits für Kinder ab dem ersten Geburtstag gilt. Das aber bedeutet, dass Berlin noch tausende neue Plätze schaffen muss. Scheeres geht davon aus, dass 70 Prozent der Eltern ihren Anspruch anmelden werden – 25 Prozent mehr als bisher.

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