Kinderferiencamp geschlossen : Norovirus statt Zirkus

Zwanzig Kinder litten in einem Zirkus-Ferienlager bei Lychen in der Uckermark unter Übelkeit und Erbrechen. Der Landkreis machte das Camp kurzer Hand dicht

Christoph Stollowsky
So schön kann Zirkus sein. Doch nicht so für zwanzig Kinder in einem Zirkus-Ferienlager bei Lychen in der Uckermark sie litten unter Übelkeit und Erbrechen.
So schön kann Zirkus sein. Doch nicht so für zwanzig Kinder in einem Zirkus-Ferienlager bei Lychen in der Uckermark sie litten...Foto: dpa

Sie freuten sich auf die Zirkusspiele im Feriencamp bei Lychen in der Uckermark. Doch einige Kinder waren gerade erst angekommen, da mussten sie schon wieder fort: zurück nach Hause. Wegen des Verdachts auf so genannte Noroviren wurde ihr Ferienlager in der Nacht zum vergangenen Montag geschlossen. Die Amtsärztin des Landkreises Uckermark hatte dies verfügt, nachdem von vierzig Kindern plötzlich 20 erkrankt waren. Die sieben- bis dreizehnjährigen Mädchen und Jungen litten unter Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, den typischen Symptomen der hochansteckenden Noroviren. Achtzehn Kinder wurden in Kliniken versorgt. Sie sind inzwischen wieder entlassen.
Das ein- bis zweiwöchige Zirkuscamp wurde vom privaten Berliner Veranstalter „Reisemeise Kinderreisen“ angeboten. Etwa die Hälfte der Kinder, die 14 Tage gebucht hatten, waren schon eine knappe Woche da, als die Infektion ausbrach. Anderen waren von ihren Eltern kurz vorher gebracht worden, meist aus Sachsen oder Bayern, wo noch Schulferien sind. Und fünf junge Gäste kamen sogar aus Ägypten, zwei weitere aus Spanien. Sie sollten im Camp auch Deutsch lernen. Stattdessen mussten sie nun wieder zurückfliegen.

Schnelltest ergab den Verdacht: Noroviren


Nach Auskunft der Amtsärztin des Landkreises Uckermark, Michaela Hofmann, ergaben erste Schnelltest den Verdacht auf Noroviren. „Wir waren verpflichtet, das Camp sofort zu schließen“, sagt sie. Inzwischen habe man Proben zur genaueren Untersuchung ins Landeslabor geschickt. Bis diese Ergebnisse vorliegen, kann allerdings einige Zeit vergehen. Das Labor hat zu wenig Personal, es kommt mit den Tests kaum hinterher.
Um die Infektionsquelle zu finden, untersuchten Hygieneexperten des Landkreises die Küche des Ferienlagers und gingen die Listen der eingekauften Lebensmittel durch. Es sei „alles einwandfrei“ gewesen, teilt der Veranstalter „Reisemeise“ mit. Die Hygieniker gingen inzwischen davon aus, „dass ein erkanktes Kind die Viren eingeschleppt hat“.


Die Magen-Darm-Infektion mit Noroviren ist sehr unangenehm, aber selten lebensgefährlich. Die Viren werden über kontaminierte Lebensmittel oder durch Kontakt mit erkrankten Personen und verunreinigten Gegenständen übertragen. Die Symptome können schon kurz nach der Ansteckung ausbrechen. Häufig machen Noroviren in Kitas, Schulen, Kliniken oder Seniorenheimen die Runde. So wurde am vergangenen Montag auch ein Ferienlager in Schwäbisch-Hall wegen des Verdachts auf Noroviren geschlossen. Dort waren 40 Kinder erkrankt. Die letzte größere Infektionswelle in Berlin und Brandenburg war im September 2012. Damals erkrankten rund 1500 Schüler durch verseuchtes Essen. Die Portionen waren an etliche Schulen geliefert worden war.

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