Berlin : Kinderfilme: Zurück zur eigenen Scholle

Simone Leinkauf

Schon mal was von dem blonden Abrax, dem rothaarigen Brabax und dem schwarzhaarigen Califax gehört? Jenen drei jugendlichen Abenteurern, die seit 25 Jahren mit ihren Zeitreisen rund um die Welt in die verschiedensten Epochen der Menschheitsgeschichte Jung und Alt begeistern? Selbst wer bislang weder einen Comic, noch ein Buch von den drei Herumtreibern in der Hand hatte, wird in Zukunft an deren Gesichtern nicht mehr vorbeikommen.

Schon jetzt lachen Abrax, Brabax und Califax in der ganzen Stadt von Plakaten herab, am 25. Oktober kommen sie ins Kino. Gewissermaßen probeweise stachen die Drei jetzt schon einmal probeweise vor geladenen Gästen im Zoopalast "Unter schwarzer Flagge" in See. Kinder waren auch dabei, im Alter von etwa vier bis vierzehn Jahren. Die Piratenkämpfe stießen dementsprechend auf unterschiedliche Reaktionen. Während die Jüngsten beim Auftritt der "Mutanden" - monsterähnliche Kampfmaschinen - schnell auf Mutters Schoß wollten, quietschten und lachten die Älteren im Dunkel. Hin und wieder wurde vor Spannung auch mal die Luft angehalten und hinterher vor dem Kinoraum gleich selbst in Kampfposition gegangen.

Auch 25 Jahre nach ihrem ersten Abenteuer auf Papier können die Abrafaxe die Kinder und Jugendlichen offenbar begeistern. Man hört sie nach eineinhalb Stunden wie schon ihre Eltern von dem berüchtigten Seeräuber Blackbeard schwärmen, der schönen Piratenführerin Anne Bonny und dem dummdreisten spanischen Admiral Don Archimbaldo. Auch, oder vielleicht gerade weil es viel knallte und reichlich Säbelgerassel gab - die Kinder waren sich einig: Den Film würden sie sich durchaus ein zweites Mal ansehen. Nur die Eltern gingen wieder einmal mit gemischten Gefühlen aus dem Kinosaal. Sicher, die Animation aus der Werkstatt des Berliner Zeichentrickstudios Gerhard Hahn ist gelungen. Doch auf augenzwinkernde Gags und feinsinnigen Humor, wie er in den Comics der Abrafaxe an der Tagesordnung ist, verzichtet die Kinofassung vollständig. Leider.
Simone Leinkauf

Auch im Kinodebüt der kleinen Eisbären spielt die Farbe Schwarz eine entscheidende Rolle. Welcher kleine Eisbär? Dumme Frage, werden die meisten Kinder sich jetzt sagen. Schließlich treibt sich Bärlein Lars seit Jahren auf den einschlägigen Bestsellerlisten herum. Längst haben sich die Eisbär-Bücher des holländischen Illustrators Hans de Beer von ihrer Heimat, dem Land der Grachten und Käse, gelöst: In 27 Sprachen wurden sie mittlerweile übersetzt, und in Holland, Frankreich, Italien und Japan erhielt der Autor Auszeichnungen und Preise. Seit 1987 ist der kleine Eisbär Lars im Züricher Nord-Süd Verlag im Programm, weltweit kursiert er schon in über zehn Millionen Exemplaren.

Da war der erste Kinoauftritt geradezu zwingend, und damit kommen wir zurück zur Farbe Schwarz. Sie steht für ein riesiges Fischfangschiff, eine Bedrohung des arktischen Ökosystems - kindgerecht aufbereitet. "Der schwarze Mund nimmt uns alles!", murmeln die Eskimos in beschwörendem Ritual: Alle Fische landen im Netz, Robben und Eisbären ebenso, und auch Lars sieht sich plötzlich gefangen. Doch er weiß einen Ausweg, springt zurück ins Wasser, will dem schwarzen Monster eine Falle stellen - mehr wird nicht verraten, die kleinen Zuschauer sollen ihren Spaß haben.

Gestern wurde der Zeichentrickfilm erstmals vor größerem Publikum gezeigt (siehe: ... und "Piiingu!" war auch dabei); ab Donnerstag läuft er in den Kinos. Ein Song bestimmte die Präsentation, den man mit Eisbären und ähnlichen Arktis-Bewohnern so gar nicht in Verbindung bringt: "There must be an angel", der alte Hit der Eurythmics, neu aufgemischt von der derzeit erfolgreichsten deutschen Girlgroup, die schon wegen ihres Namens auf Annie Lennox und Dave Stewart abfahren musste: No Angels. Das hat zwar mit Eisbären noch immer nichts zu tun, immerhin leiht aber Engelchen Vanessa dem Eskimomädchen Manili ihre Stimme. Da wurde der neue Song der No Angels gleich zum Titelsong erklärt, obwohl es im dazu gehörenden Musikvideo um Düsenjets geht. Vor denen würde Lars samt Robben die Flucht ergreifen.
Andreas Conrad

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