Kinderhilfe : "Unser Erfolg ist der Misserfolg der Gesellschaft"

Zu Beginn Bernd Siggelkow mit einigen Kindern in seinem Wohnzimmer Kuchen gegessen und ihnen Gitarrenunterricht gegeben. Inzwischen ist das Kinderprojekt Arche neben Berlin auch in Hamburg und München tätig.

Berlin - Die anfängliche Hilfe im Kleinen hat sich zu einem deutschlandweiten Kinderhilfsprojekt ausgeweitet. Der Verein "Die Arche - Christliches Kinder- und Jugendwerk" ist nicht mehr nur in der Hauptstadt tätig, sondern auch in München und Hamburg. "Unser Erfolg ist der Misserfolg der Gesellschaft", sagt Projektleiter und Initiator, Pastor Bernd Siggelkow, in einer ehemaligen Grundschule in Berlin-Hellersdorf, wo die Arche ihren Hauptsitz hat. Mehr als 100 Mitarbeiter kümmerten sich derzeit um rund 1000 Kinder und Jugendliche pro Woche in den drei Städten. Die Angebote finanzierten sich alle aus Spendengeldern.

"Es gibt immer mehr Anfragen aus anderen Gebieten Deutschlands, ob wir nicht auch dort 'Archen' integrieren könnten", sagt Siggelkow, selbst Vater von sechs Kindern. So stehe im kommenden Jahr der Aufbau eines neuen Hilfsprojekts in Bremerhaven an.

Einmal in der Woche fährt der Pastor, der auf St. Pauli in Hamburg aufwuchs, derzeit nach Hamburg. Im Stadtteil Jenfeld wird das erste eigene Gebäude auf dem Gelände der Friedenskirche gebaut. Im Oktober kommenden Jahres soll der Neubau abgeschlossen sein, erklärt wie Siggelkow erläutert. Seit Anfang dieses Jahres würden täglich etwa 60 Kinder in den Räumen der Kirche betreut. "Es ist ein größerer Bedarf vorhanden", fügt der 43-jährige Pastor an. Auch nach München, wo mit Spenden der Wohltätigkeitsgala "Tribute to Bambi" 2005 und der bayerischen Landeshauptstadt im September eine "Arche" in einem Containerbau aufgebaut wurde, reist Siggelkow regelmäßig.

Ahnungslose Mütter

"Offensichtlich haben wir Mitarbeiter, auf die die Kinder sofort abfahren", erläutert Siggelkow den Erfolg seines Projekts. Er wolle eine "coole" Einrichtung mit einem kinderorientierten Programm. Dazu gehörten unter anderem wöchentliche Kinderpartys, Theaterworkshops, Hausaufgabenhilfe, regelmäßige Gottesdienste sowie das kostenlose Mittagessen.

Zum dritten Advent seien 40 Berliner Kinder in die Schweiz gefahren, um ihr diesjähriges Weihnachtsmusical aufzuführen, berichtet der Theologe. Auch er selbst übernahm einen Solopart in dem Stück. Manchmal gehöre es jedoch auch zu seiner Arbeit, Matratzen für bedürftige Kinder einzukaufen oder Wohnungen aufzuräumen. Einige Mütter gäben sogar an, dass ihnen das zuvor noch nie jemand erklärt hat. Sie hätten gar nicht gewusst, dass sie sauber machen müssen. Da versuche er zusammen mit seinen Mitarbeitern praktische Hilfe zu leisten und helfe Ordnung zu schaffen.

"Wir wollen die Kinder, die zu uns kommen, wirklich kennen lernen und ihr Selbstwertgefühl aufbauen", erklärt der Wahlberliner ein Prinzip der Arche. Die Zuwendung beruhe auf Freundschaft und engen Beziehungen. Zudem seien seine Mitarbeiter seit vielen Jahren kontinuierlich für das Projekt tätig. Einen festen Ansprechpartner benötigten Kinder und Jugendlichen ganz besonders. Zudem hätten die Erzieher alle ein Handy, auf dem sie 24 Stunden am Tag zu erreichen sind.

"Ein leerer Magen kann nicht lernen"

Bei seinen Erzählungen ist dem Mann anzumerken, dass ihn Verwahrlosung und Kinderarmut mehr als bedrücken oder ärgern. Viele wollten das Elend vor der eigenen Haustür gar nicht sehen, kritisiert Siggelkow. Doch er wolle etwas dagegen tun. Mehr als 100.000 Menschen unter 15 Jahren lebten in Berlin in Armut. Kinder dürften jedoch keine existenziellen Probleme kennen, mahnt der engagierte Mann.

Deshalb hat er auch einige dringende Forderungen an die Politik: "Das Schulessen wie auch Schülertickets für Bus und Bahn müssen kostenlos sein." Ein leerer Magen könne nicht lernen. Nach seinen Erkenntnissen nehmen in Berlin mehr als 40 Prozent der Schüler nicht am Schulessen teil - und das nur, weil den Eltern meist das Geld für die Mahlzeiten fehle. Vielen Kindern seien die Defizite sofort anzumerken. Siggelkow findet, dass an vielen Stellen mehr geschehen müsse. Kinder seien doch die Zukunft der Gesellschaft.


  • Die Bankverbindung für Geldspenden lautet: Die Arche, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00, Konto 30 30 100.

  • Informationen zu den benötigten Sachspenden, wie Kinderkleidung oder haltbaren Lebensmitteln, gibt es auf der Website des Kinderprojekts, kinderprojekt-arche.de

(Nadine Schimroszik, ddp)

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