Berlin : Kindermusical thematisiert Gewalt

Rainer W. During

„Bei uns im Haus gibt es so etwas nicht“, sagt Frau Lauschmann. „Er grüßt immer so freundlich“, beruhigt sich auch Frau Klatschmann. Sie hört lieber weg, als Nachbarstochter Joey von ihrem Stiefvater geschlagen wird. Die Szene stammt aus einem Musical, mit dem Schüler der Märkischen Grundschule in Reinickendorf einen Beitrag zur Gewaltprävention leisten wollen. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Kripo.

Entstanden ist die Idee im Deutschunterricht, als die heutige Klasse 6a ein Buch las, in dem es um Kindesmisshandlung ging. Ihr Lehrer Frank Schütze, der – zugleich Hobbymusiker – bereits vier Schulmusicals mit leichterem Inhalt verfasst hatte, schrieb Texte und Melodien, diskutierte sie mit den Kindern. Außerdem informierten sich Lehrer und Schüler beim Landeskriminalamt, wo Gina Graichen das Kommissariat „Delikte an Schutzbefohlenen“ leitet – eine in Deutschland einmalige Behörde. Nicht zuletzt deren Arbeit ist es zu verdanken, dass die Öffentlichkeit in Berlin gegenüber dem Thema Kindesmisshandlung so sensibilisiert ist. Wurden hier im Vor- jahr 398 Fälle angezeigt, waren es in München 51, in Hamburg 25.

Zwölf Songs wie „Ich hasse“ und „Der Traum“ sind die Höhepunkt des rund 75-minütigen Musicals. „Warum ist das Schicksal so gemein“, singt Hauptdarstellerin Joey, die abwechselnd von der zwölfjährigen Clara Reinartz oder der gleichaltrigen Johanna Frobenius gespielt wird. Die Rollen wurden doppelt besetzt, damit alle 21 Kinder mitmachen können. Nur die Rolle des bösen Vaters wollte niemand übernehmen – so sprang der Lehrer selbst ein.

Als Vorpremiere gibt es am heutigen Donnerstag eine Benefizveranstaltung zugunsten des Reinickendorfer Elisabeth-Stiftes, in dem auch misshandelte Kinder betreut werden. Die Uraufführung ist dann am 30. Mai, weitere Vorstellungen folgen am 31. Mai sowie vom 1. bis 3. Juni (jeweils 18.30 Uhr) in der Aula der Grundschule am Dannenwalder Weg 163-165.

Eintritt 4 Euro, Kinder 2 Euro, Gruppen 1,50 Euro, Vorverkauf unter Tel. 41 71 31 26 oder per E-Mail an theater@26g.de

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