Kinderperspektive : Hilfe für junge Mütter

Um dem Mangel an Betreuungsangeboten für Kinder entgegenzuwirken, startet in Berlin das Projekt Kinderperspektive des Vereins Treberhilfe. Die Initiative bietet Plätze für betreutes Wohnen und hat eine Nofall-Hotline eingerichtet.

BerlinÜberforderte Eltern, vernachlässigte und misshandelte Kinder. Seit dem gewaltsamen Tod der acht Monate alten Amélie-Celine in Reinickendorf und dem des fast gleichaltrigen Dennis aus Spandau wird auch in Berlin das Thema Kinderschutz kontrovers diskutiert. Laut polizeilicher Kriminalstatistik hat sich in der Hauptstadt die Zahl der gemeldeten Kindesmisshandlungen seit 2000 verdoppelt. "Trotzdem gibt es noch immer einen Mangel an leicht zugänglichen, flexiblen und präventiven Betreuungsangeboten“, kritisierte Ingo Bullermann vom Verein Treberhilfe am Mittwoch in Berlin.

Um diese Lücke zu schließen, startet die Organisation gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und den Jugendämtern das Projekt Kinderperspektive. In insgesamt elf Wohnungen, die über alle Bezirke verteilt sind, können künftig Alleinerziehende mit Kindern von speziell ausgebildeten Sozialpädagogen betreut werden. Das Angebot richtet sich vor allem an junge Frauen, Mädchen mit Migrationshintergrund und wohnungslose Menschen. "Um jenen Müttern die Annahme von Hilfe zu erleichtern, muss man ihnen eine möglichst normale Wohnsituation in der Nähe ihres gewohnten Umfeldes bieten“, sagte Rainer-Maria Fritsch (Linke), Jugendstadtrat im Bezirk Mitte.

Selbstständiges Leben für Mutter und Kind

Die stationäre Unterbringung, beispielsweise in Mutter-Kind-Heimen, soll so vermieden werden. "Wir besuchen die Frauen bis zu fünfmal pro Woche, beobachten sie im alltäglichen Umgang mit ihren Kindern, helfen bei der Erziehung, kontrollieren die körperliche und seelische Entwicklung des Kindes und begleiten sie zum Arzt oder den Behörden“, so Sozialpädagogin Britta Gubela, die derzeit zwei Mütter mit Kindern begleitet. "Besonders der Gang zum Jugendamt stellt für viele überlastete Mütter eine hohe Hürde da“, sagte Dirk Retzlaff, Jugendstadtrat von Treptow-Köpenick. Für Krisensituationen, etwa wenn das Baby die ganze Nacht schreit, gibt es eine 24-Stunden-Hotline, unter der Sozialarbeiter ständig erreichbar sind. Das Projekt soll Müttern ein selbstständiges Leben und ihren Kindern gute Zukunftschancen sichern.

Auch Klaus Wowereit räumt dem Thema neuerdings höchste Priorität ein. Nach Tagesspiegel-Informationen vereinbarte der Regierende Bürgermeister am Dienstag gemeinsam mit Bildungssenator Jürgen Zöllner, Finanzsenator Thilo Sarrazin (alle SPD) und der Vorsitzenden der Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Carola Bluhm, dass noch in dieser Legislaturperiode alle freien Stellen im Netzwerk Kinderschutz besetzt werden. Am Freitag soll die Entscheidung offiziell bekannt gegeben werden. F.B.

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