Berlin : Kinderporno: Spur nach Berlin

Nach US-Hinweisen ermittelt die Justiz gegen 104 Verdächtige

Burkhard Schröder

In Großbritanien erschüttert ein Kinderporno-Skandal das Land, nachdem die US-Behörden 7300 Adressen von Kunden eines Internet-Portals an die britische Polizei übergeben hat – und auch in Berlin ist die Justiz mit dem Fall beschäftigt. Die Strafverfolger ermitteln bereits seit Anfang 2002 gegen 104 Berliner, die bei dem Internet-Anbieter Kinderpornografie gekauft und mit ihrer Kreditkarte bezahlt haben. Wie jetzt bestätigt wurde, wurden im September 2002 in Berlin 126 Wohnungen durchsucht. Insgesamt waren in einer bundesweiten Aktion 1400 Wohnungen von Tatverdächtigen unter die Lupe genommen worden. Das Bundeskriminalamt koordinierte die Maßnahmern unter dem Codenamen „Pekunia". Die Ermittlungsbehörden hatten von Interpol und dem FBI Namenslisten von Verdächtigen bekommen.

Ausgangspunkt waren Ermittlungen amerikanischer Behörden gegen das texanische Ehepaar Thomas und Janice Reedy. Deren Firma Landslice Productions hatte den Zugang zu Webseiten per Kreditkarte vermittelt. Ein Teil des Erlöses floss an die Anbieter, die in Indonesien und Russland saßen, den Rest behielt die Firma. Die „Operation Candyman" des FBI führte im Frühjahr zur Verhaftung. Reedy wurde zu 1335 Jahren Gefängnis verurteilt. Die amerikanische Bundespolizei FBI darf, anders als die Polizei in Europa, als Lockspitzel tätig werden. Die Behörde betrieb das Pornografie-Portal weiter und bediente mehr als eine Viertelmillion Kunden.

In Berlin arbeitet eine eigene Ermittlungsgruppe der Fachdienststelle „Kinderpornografie" beim Landeskriminalamt. Die Höchststrafe für den Besitz kinderpornografischen Materials beträgt ein Jahr, falls nicht noch andere Straftaten hinzukämen. Oft würden die Ermittlungen gegen eine Geldstrafe oder durch eine außergerichtliche Einigung eingestellt. Meistens werden der Computer und andere angeschlossenen Geräte beschlagnahmt. Das Landeskriminalamt konfiszierte im Zuge der Ermittlungen 190 Rechner, die aber noch nicht vollständig überprüft worden sind, ob auf ihnen Beweise für illegales kinderpornografisches Material zu finden sind.

Die Berliner Polizei hatte im letzten Jahr auch die Privatwohnung und die Firma Meta Productions des Sat1-Moderators Ulrich Meyer durchsucht. Meyer und seine Kollegen hatten zum Thema recherchiert und dabei auch die Kredtitkartennummer Meyers angegeben, um an die kostenpflichtigen Inhalte zu kommen. Meyer sagt, er habe damals sogar das Landeskriminalamt über seine Recherchen informiert. Die Fahnder seien sogar in seine Firma gekommen und unter der Firmen-Kreditkartennummer selbst online gegangen.

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