Berlin : Kinderpornos: Erste Geständnisse

Auch ein BGS-Beamter im Bundespräsidialamt flog auf

Susanne Vieth-Entus

Infolge der weltweiten Polizeiaktion gegen die Verbreitung von Kinderpornographie „Marcy“ wird gegen 26 Berliner ermittelt. Darunter befindet sich nicht nur ein Lehrer, sondern auch ein Beamter des Bundesgrenzschutzes (BGS), der im Bundespräsidialamt tätig ist. Er soll seine Tat schon gestanden haben. Dies erfuhr der Tagesspiegel gestern aus Justizkreisen. Bereits am 24. September fanden bei den Verdächtigen im Rahmen einer „koordinierten Zugriffsaktion“ Hausdurchsuchungen statt. Dies bestätigte Justizsprecherin Andrea Boehnke auf Anfrage.

Weitere Einzelheiten zu den Tätern wollte die Behörde nicht bekannt geben. So war auch nicht zu erfahren, ob der BGS-Beamte lediglich am Tor „Wache geschoben hat“ oder intern eingesetzt war. Ebenfalls gibt es weiterhin keine Angaben darüber, an welcher Schule oder in welchem Bezirk der Lehrer tätig war. Über die weiteren 24 Verdächtigen war nichts zu erfahren.

Wie berichtet, nimmt die Verbreitung von Kinderpornographie durch das Internet rapide zu. Zurzeit sind vier Berliner Lehrer vom Dienst suspendiert, darunter der Marcy-Fall, weil sie im Internet entsprechendes Bildmaterial heruntergeladen haben sollen. Zwei dieser Lehrer sind bereits gerichtlich verurteilt. Alle Fälle seien so schwerwiegend, dass die Beamten nicht nur suspendiert seien, sondern bereits die Bezüge gekürzt wurden, berichte gestern der Sprecher der Senatsverwaltung für Bildung, Thomas John. In einem fünften Fall wurde ein Lehrer bisher nicht vom Dienst freigestellt, weil die Vorwürfe weniger gravierend sind.

Einer der suspendierten Lehrer erhielt im Juni einen Strafbefehl über 90 Tagessätze á 90 Euro, weil bei ihm 50 kinderpornographische Bilder sichergestellt worden war. Die Strafe wurde inzwischen gezahlt, nun ist die Schulverwaltung am Zuge, die über das berufliche Schicksal des Pädagogen zu entscheiden hat. Bei einem anderen Lehrer wurden 150 Bilder auf einer Festplatte gefunden. Das Verfahren läuft. Bei einem weiteren Fall hat die Staatsanwaltschaft eine so genannte „EDV-Vollauswertung“ in Auftrag gegeben, weil sie erwartet, bei genauerer technischer Untersuchung noch mehr belastendes Materialien zu finden. Diese Auswertung werde aber bis Mitte 2004 dauern, weil es bei der betreffenden Abteilung einen „Kapazitätsstau“ gebe, so Justizsprecherin Boehnke.

Die deutsche Justiz geht davon aus, dass mindestens zehn Prozent der Konsumenten von Kinderpornos auch mit anderen Sexualdelikten auffällig werden.

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