Berlin : Kinderschänder zu Haftstrafen verurteilt

Zwei Männer missbrauchten acht Jungen, nur ein Angeklagter zeigte Reue. Bis zum Strafantritt bleiben beide frei

Kerstin Gehrke

Dieser Verrat an den Kindern. Dass die Männer sich in das Vertrauen der Jungen und Mädchen eingeschlichen haben, um sie dann schamlos sexuell auszunutzen – „was bleibt, ist die Fassungslosigkeit“, sagte der Vorsitzende Richter Peter Marhofer bei der Urteilsverkündung: Drei Jahre Haft für den 44-jährigen Mathematiker Ilja S., der 41-jährigen Computertechniker Alfred B. erhielt eine Haftstrafe von zweieinhalb Jahren.

Die beiden Angeklagten mit pädophilen Neigungen hatten unabhängig voneinander in ihrer gemeinsamen Wohnung in der Leipziger Straße in Mitte über mehrere Jahre hinweg acht Jungen missbraucht. Beide hatten vor dem Berliner Landgericht umfassende Geständnisse abgelegt. Das führte zu den relativ milden Urteilen. Denn sie haben den Kindern im Alter zwischen neun und 14 Jahren damit wenigstens eine Vernehmung als Zeugen vor Gericht erspart. In diesem Verfahren würden die Geständnisse auch besonders ins Gewicht fallen, weil die Angeklagten für ihre Opfer „zentrale Vertrauens- und Bezugspersonen“ waren, hieß es im Urteil. Für die missbrauchten Kinder wäre es auch heute noch schwer gewesen, durch ihre Aussagen aktiv dazu beizutragen, dass ihre einstigen guten großen Freunde für lange Zeit im Gefängnis bleiben.

Die Kinderschänder hatten ihre Opfer auf einem Sportplatz angesprochen. Sie hörten den Jungen, die Zuneigung suchten, zu und sorgten mit vielen Unternehmungen für eine interessante Freizeitgestaltung. Die Kinder kamen oft nach der Schule direkt in die Wohnung der Angeklagten. Manche übernachteten dort. Die sexuellen Übergriffe kamen erst durch Recherchen des ZDF- und „Stern“-Reporters Manfred Karremann heraus. Er hatte sich als angeblich Pädophiler in die Szene eingeschlichen und seine Erkenntnisse an die Polizei weitergegeben.

Der einschlägig vorbestrafte Ilja S., selbst Vater von drei Kindern, hatte sich in insgesamt 21 Fällen an sieben der Jungen vergangen. Einigen hatte er auch Geld dafür gegeben und sie damit in eine prostitutionsähnliche Rolle gebracht. Das sei besonders verwerflich, sagte Richter Marhofer. Der aus Österreich stammende B. wurde wegen Missbrauchs eines 13-jährigen Jungen in 20 Fällen schuldig gesprochen. Außerdem hatte B. dem Schüler jedes Mal einen Joint angeboten. Anders als im Falle von S. ging das Gericht bei dem gebürtigen Wiener von ehrlicher Reue aus. Bei Ilja S. sei ein „tatsächliches Unrechtsbewusstsein bisher nicht ausgeprägt“. Für beide Männer sahen die Richter die „dringende Notwendigkeit einer Therapie“. Doch vorerst bleiben die Männer frei: bis zur Ladung zum Strafantritt.

Eltern der Opfer, die mit im Gerichtssaal waren, zeigten sich geschockt. Über Ilja S. sagte eine Nebenklage-Anwältin: „Ich befürchte, dass er immer wieder solche Taten begehen wird.“ Im Internet ist unter seinem Namen unter anderem zu lesen: „Schäden aus sexuellen Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern, bei denen die Kinder freiwillig mitmachen, sind, wenn es sie überhaupt gibt, so gering, dass sie noch nicht nachgewiesen sind.“ S. ist auch noch immer Mitglied in einem Verein, der sich für mehr Rechte Pädophiler einsetzt.

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