Berlin : Kinderstunde bei Sir Peter

Der britische Botschafter lud junge Berliner zum Büchernachmittag ein. Als Vorleser hatte er einen der bekanntesten Schriftsteller seines Landes eingeladen: David Henry Wilson

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„Lesen macht Spaß“, sangen die Kinder vom Kinderwaldchor Hannover und klatschten in die Hände, „Lesen ist ’ne tolle Sache!“ Und alle machten mit sogar Doris Schröder-Köpf, die Ehefrau des Bundeskanzlers. Am Mittwochabend ging es in der Britischen Botschaft ums Lesen, oder besser gesagt: ums Vorlesen. Die bundesweite Kampagne „Deutschland liest vor“ unter der Schirmherrschaft von Doris Schröder-Köpf organisiert Vorlesestunden, um den Kindern Lust aufs Schmökern zu machen. Neue Initiativen können bei der Stiftung einen Bücherkoffer mit von Kindern ausgesuchten Werken bestellen.

Vorlesen kann jeder, aber es werden regelmäßig auch Autoren eingeladen. Dieses Mal kam der britische Kinderbuchautor David Henry Wilson mit Frau Elisabeth und stellte vier Schulklassen aus Charlottenburg, Wedding, Lichtenberg und Lichtenrade Geschichten von seinem Kinderbuchhelden Jeremy James vor – auf Deutsch, denn Wilson hat vier Jahre lang in Konstanz gelebt. Die Kinder saßen auf ihren bunten Kissen und hörten gebannt zu. Zwischendurch hatten sie Unmengen von Fragen: Ob es Jeremy James in Wirklichkeit gibt, wie viele Bücher Wilson geschrieben hat, wie lange das dauert. Beim Helden gibt es wohl gewisse Parallelen zum Sohn des Autors, der ist aber auch schon 35 Jahre alt – „und überhaupt“, sagt David Henry Wilson, „ist alles erfunden!“ Das allerdings glaubte ihm kein Kind. Bücher hat er etwa 20 geschrieben, darunter die acht mit Geschichten von Jeremy James. Für das erste Kinderbuch brauchte er noch zwölf Tage, inzwischen dauert es etwas länger.

Zuvor hatte Botschafter Sir Peter Torry schon ein wenig nachgefragt: „Ich habe Winnie The Pooh gelesen, als ich klein war, und Alice im Wunderland. Kennt ihr die?“ Viele Finger gingen hoch. Danach ermahnte Doris Schröder-Köpf die Jungen, die zugaben, nicht sehr viel Geld in Bücher zu investieren: „Wenn ihr so gut sein wollt wie die Mädchen, müsst ihr mehr lesen!“ Sie selbst liest ihrer Tochter inzwischen nicht mehr vor, denn die ist jetzt 13 Jahre alt und ein paar Zentimeter größer als ihre Mutter. „Aber wenn sie schlafen gegangen ist, hole ich mir ihre Bücher und lese sie.“ Außer die Pferdebücher. „Die finde ich langweilig.“ Nach einer Autogrammstunde fuhren die Schulklassen nach Hause und Doris Schröder-Köpf nach Hannover zurück – einen Zug später als geplant. Lesen geht eben vor. cof

Weiteres im Internet unter www.deutschland-liest-vor.de

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