Berlin : Kindertheater ohne Kinder

Ohne BVG bleiben Schulklassen fern. Andere Bühnen und Kinos klagen nicht

Brigitte Reidinger

Der Streik hat seinen Preis. Zahlen müssen ihn auch die Theater und Kinos. Kalt erwischt hat es vor allem die Kinder- und Jugendtheater, die stark auf den Besuch von Schulklassen angewiesen sind. Das Grips-Theater im Hansaviertel berichtet von deutlichen Umsatzeinbußen: Zwei Vormittags-Aufführungen fielen ganz aus, da es keine geeignete Transportmöglichkeit für die Schulklassen gab. Auch die übrigen Vorstellungen seien viel schlechter besucht gewesen, sagte eine Sprecherin. Das Theater ist zwar per U- und S-Bahn gut zu erreichen, doch von manchen Ortsteilen aus ist die Anbindung dennoch unzureichend.

Eine Zwangspause musste auch das Theater an der Parkaue in Lichtenberg einlegen. Gestern Vormittag fiel das Kinderstück „Die Regentrude“ aus. Die Lehrer, die mit ihren Klassen kommen wollten, hatten aus Angst vor dem S-Bahn-Streik bereits am Freitag abgesagt. Mit dem Theaterticket kann man auch die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen – aber nur, falls diese fahren. Auch am Sonntag war wenig los: Viele reservierte Karten wurden nicht abgeholt. „Das ist untypisch bei uns. Familien planen einen Theaterbesuch in der Regel frühzeitig und ziehen ihn dann auch durch“, erklärt Sprecherin Monika Wiedenhöfer. Auch hier geht es um ein Minus von einigen tausend Euro.

Die Erwachsenen lassen sich durch den Streik aber offenbar nicht so leicht vom Theater fernhalten. Keinen Besucherrückgang melden etwa der Admiralspalast in Mitte und das Theater des Westens in Charlottenburg. Die Schaubühne am Lehniner Platz in Charlottenburg war „super besucht“, heißt es hier, und auch das Deutsche Theater in Mitte freute sich über viele Zuschauer. Von leichten Rückgängen sprechen die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und das Maxim-Gorki-Theater. Im Hebbel am Ufer in Kreuzberg sei der Streik dagegen deutlich spürbar gewesen. Für das kanadische Gastspiel „7 Important Things“ hatte man einen größeren Andrang erwartet. „Zu uns kommen eher junge Leute, die kein Auto haben und sich das Taxi lieber sparen“, erklärt eine Sprecherin den Rückgang.

Bei einzelnen Kinos wird ebenfalls spekuliert, wo die Besucher bleiben. „Wir hatten am Wochenende etwa ein Drittel weniger Besucher als erwartet“, heißt es bei der Yorck Kino Gruppe, die zwölf Kinos betreibt. Auch die UCI Kinowelt, die sechs Standorte in Berlin hat, berichtet von 15 bis 20 Prozent weniger Besuchern als am Vorwochenende. Betroffen waren vor allem die Kinos am Friedrichshain und in den Gropius-Passagen: Hier hält keine S-Bahn. Brigitte Reidinger

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