Kinderzirkus am Spreeufer in Berlin : Mein Kind schafft das schon alleine!

Selbstverständlich können Fünfjährige auf dem Spreegeländer balancieren. Nur Helikopter-Eltern verbieten so etwas. Eine Glosse.

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Sonnenaufgang am herbstlichen Friedrichshainer Spreeufer.
Sonnenaufgang am herbstlichen Friedrichshainer Spreeufer.Foto: Henning Onken

Am letzten goldenen Oktobernachmittag sah ich, wie ein Mädchen im Vorschulalter auf dem Geländer des Friedrichshainer Spreeufers balancierte. Ganz unbekümmert setzte es dort einen Fuß vor den anderen. Einige Meter dahinter folgte eine Frau, ein Smartphone auf das Kind gerichtet. Schließlich blieb sie stehen, betrachtete das Handy eine Weile und wandte sich dann einem Jungen zu. Aha, eine Schausteller-Familie, dachte ich, und sah noch einen weiteren Erwachsenen in der Nähe. Sicher hat das Mädchen seinen Gleichgewichtssinn in einem Kinderzirkus trainiert, kann längst angstfrei auf einer Slackline über Abgründe laufen. Die Kleine ging indes immer weiter, auf der wohl zehn Zentimeter breiten Brüstung entlang, doch plötzlich war sie verschwunden. Plumps!

Mutter zieht die Tochter aus der Spree

Die Filmerin, wohl die Mutter, wurde erst von dem Jungen auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Sie sprintete zum Geländer und sprang in die Spree. Das völlig durchnässte Kind hatte sie wenig später aus dem Wasser gezerrt. Zum Glück ist die Spree kein reißender Fluss und an jener Stelle am Rand noch flach.

Ich war ja eigentlich dort, um meiner dreijährigen Tochter auf dem Uferweg das Radfahren beizubringen. Das ist gar nicht so einfach. Ständig steuert sie auf Spaziergänger zu oder aufs Gebüsch. Wahrscheinlich kann man mich deshalb mit Recht einen Helikopter-Vater schimpfen, der nicht loslassen kann. Außerdem fehlt es mir an dokumentarischem Eifer. So ein Handy-Video müsste schon drin sein, ohne dass mein Kind einem Rentner in die Hacken fährt. Das nächste Mal übe ich das Radfahren mit ihr oben auf dem Geländer, sie ist ja sehr talentiert. Das wäre doch was für Facebook.

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