Kindesmissbrauch : Zehn Jahre Haft für Berliner Justizbeamten

Ein früherer Gefängniswärter aus Wedding muss nach einer Serie von Kindesmissbrauch zehn Jahre ins Gefängnis. Das Berliner Landgericht verurteilte den Mann wegen sexuellen Missbrauchs in 155 Fällen.

Berlin (22.09.2005, 14:16 Uhr) - Der selbst ohne Vater aufgewachsene Mann hatte sich zwischen 1990 und 2004 an 14 Jungen von drei bis 13 Jahren vergangen. Die Übergriffe hatte er teilweise gefilmt. Auch seinen Stiefsohn hatte der Homosexuelle für Sex benutzt. Einige Opfer hatten auf Anweisung des Angeklagten selbst Kinder missbraucht und sind deswegen verurteilt worden.

Der Angeklagte habe das Vertrauen der Kinder und ihrer oft alleinerziehenden Mütter unglaublich dreist zur Befriedigung seiner sexuellen Wünsche ausgenutzt, sagte der Richter. Auch seine berufliche Stellung als Justizbeamter habe der Beschuldigte dabei ausgenutzt. Strafmildernd wertete das Gericht das Geständnis, das den Jungen unangenehme Verhöre ersparte.

Der Fall kam ins Rollen, nachdem der Dreijährige zu Hause «Spiele» des Angeklagten wiederholen wollte. Jahre lang hatte der Kinderschänder mühelos Jungen für sich gewonnen. Die meisten kamen aus sozial schwachen Familien und waren selbst an den Kontakten interessiert, sagte der Richter. Der freundlich wirkende Mann gab ihnen Geld und gestaltete ihre Freizeit. Zu Gewalt kam es nicht. Ahnungslose Mütter - darunter eine Schwerbehinderte und eine fast erblindete Frau - seien erfreut gewesen, dass sich der Angeklagte um ihre Söhne kümmerte. Die Eltern einer Schulklasse vertrauten ihm die Kinder für eine Reise an. Auf der Klassenfahrt knüpfte der Beamte Kontakte zu einem Jungen.

Nach der Scheidung und einer gescheiterten Beziehung zu einem Homosexuellen begann die Affäre. «Der Angeklagte wählte den bequemeren Weg, sich mit Kindern zu befriedigen», argumentierte das Gericht. Darin lag ein großer Teil seiner Schuld. Die Kinder erkannten ihn an und stellten keine Forderungen wie ein erwachsener Partner. In seinem Schlusswort sagte der ehemalige Wärter, «ich schäme mich für das, was ich getan habe». ()

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