Kindheit in Berlin : John Kerry und Hitlers Bunker

Heute ist John Kerry in Berlin zu Besuch. Der neue US-Außenminister kennt die Hauptstadt gut: Zwei Jahre seiner Kindheit hat er dort verbracht - und einmal fast einen internationalen Konflikt verursacht.

von
Guck mal, dort! John Kerry kennt sich aus in Berlin.
Guck mal, dort! John Kerry kennt sich aus in Berlin.Foto: Reuters

In Berlin ist die Welt zu Hause, das zeigt sich immer wieder. Im Bachstelzenweg in Dahlem zum Beispiel war US-Außenminister John Kerry mal ein Weile zu Hause. Ein Ausflug nach Berlin ist für ihn also auch eine Art Heimspiel.

Als sein Vater Richard Kerry 1954 für zwei Jahre von Washington an das US-Hochkommissariat versetzt wurde, war John Kerry elf und betrachtete die Stadt ganz unbefangen als eine Art Abenteuerspielplatz. Bei seinen Erkundungstouren auf dem Fahrrad, fuhr er einmal in den für ihn den streng verbotenen Ostteil der Stadt, obwohl er eigentlich am Brandenburger Tor hätte umdrehen müssen. Damals stand ja die Mauer noch nicht. Hitlers Bunker zu sehen, war für ihn ein spezielles Erlebnis.

Der Absturz kam am Abend, als er seinem Vater von der Tour erzählte. Der war außer sich, erklärte dem Sohn, dass er fast einen internationalen Konflikt verursacht hätte. Klar, das gab Stubenarrest. In Erinnerung blieb ihm die Tatsache, dass das Leben in der geteilten Stadt so unterschiedlich war.

Später erinnerte er sich auch an die Angst in den Augen der Menschen, die nicht frei waren. Von dieser Zeit hat seine Schwester Diana mal erzählt, als er 2004 Präsidentschaftskandidat war und sie in Berlin für ihn auf Stimmenfang ging. Nach dem Garten, in dem John Kerry mit ihr und seinen anderen Geschwistern Peggy und Cam gespielt hat, hat er sich später wohl öfter noch mal zurückgesehnt.

Das Büro des Vaters im heutigen US-Generalkonsulat fand er freilich ziemlich langweilig. Lieber als dort war er mit dem Rad auf den Straßen unterwegs. Wenn er am Dienstag mit einer Limousine durch die Stadt rollt, wird er vielleicht noch etwas wiedererkennen oder zumindest mal ganz kurz nostalgischen Kindheitserinnerungen nachhängen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

42 Kommentare

Neuester Kommentar